D081 Vixen VMC 200 - 20% Strehlpunkte Astigmatismus weniger

D079 VIXEN VMC 200L - schrittweise Justage: HS, FS KorrekturSystem vor SekundärSpiegel
D080 Vixen VC 200L Vixenss Sixth Order Apherical Catadioptric kräftig unterkorrigiert, Korrektur-System im Okularauszug.

Vixen VMC 200 - 20% Strehlpunkte Astigmatismus weniger

Es wäre u.a. das dritte Gerät, das ich zerlegen durfte, um es dann systematisch wieder "auf Linie" zu bringen. Dabei beginnt
das "Spiel" mit der Justage des Hauptspiegels selbst, ohne Fangspiegel + Spinne, was beim VMC über Zug/Druckschrauben
an der Hauptspiegelzelle hinten gut gelöst ist.
Im zweiten Schritt wird der Fangspiegel+Spinne wieder eingesetzt und das System gegen einen Planspiegel justiert.
Ein dritter Schritt ist deswegen notwenig, und das ist die Erfahrung bei solchen katadioptrischen Systemen, daß man
schließlich Astigmatismus als erheblicher Restfehler erneut über den Hauptspiegel minimieren kann: Ganz geringe
Justierschritte an der richtigen Zugschraube.
Am Himmel hätte man keine Chance, und weder die Fangspiegelspinne noch die Tubus-Wand sind stabil genug, daß
man beim Justiervorgang absolut sicher sein könnte.

Aus ReinigungsGründen - das Teleskop muß schon etwas betagt sein - muß man den Hauptspiegel freilegen, was später ohnehin
für die exakte Zentrierung erforderlich wird. Damit aber auch sichtbar wird, welche Arbeit in einen solchen Vorgang gesteckt wird,
eine kurze Bestandsaufnahme, wie das Teil bei mir angeliefert wurde.

@VMC_Reu-01.jpg

Am extrafokalen Sternscheibchen, erste Reihe wird die Dezentrierung deutlich erkennbar, einen quantitativen Strehlwert habe ich mir
verkniffen. Er dürfte comabedingt bei höchstens 0.20 gelegen haben. Weitere Fehler erkennt man in diesem Zustand jedenfalls noch
nicht.

@VMC_Reu-02.jpg

Der artificial Sky Test läßt im augenblicklichen Zustand kein besonders brilliantes Bilder erwarten.

@VMC_Reu-03.jpg

Nach einem großen Schritt - das System ist bereits wieder zusammengebaut - erkennt man über den Foucault-Test eine leichte Über-
korrektur . . .

@VMC_Reu-04.jpg

wie sie über das Ronchi-Bild 13 lp/mm intrafokal noch deutlicher erkennbar wird.

@VMC_Reu-05.jpg

Zurück zum ursprünglichen artificial Sky Test sieht man an der Kreuzform der Sternpunkte einen Restastigmatismus in der Größen-
Ordnung von L/3.5 PV oder 0.852 Strehl, wenn also sonst keine Fehler im Spiel wären. Die effektive Vergrößerung liegt bei 433-fach.

@VMC_Reu-06.jpg

Am Streifenbild bei 532 nm wave sind es die ansteigenden Streifenabstände von oben nach unten, an denen man den Sachverhalt
erkennen kann. Damit und mit der künstlichen 15µ großen Pinhole exakt auf der Achse, zeigt sich dieser Restastigmatismus von
um die L/3.5 PV. Und spätestens jetzt stellt sich die Frage, hätte der Sternfreund diesen Fehler bei 200-facher Vergrößerung über-
haupt wahrgenommen? Vermutlich nicht! Nur bei einer Veröffentlichung auf unserem Forum, da kapriziert sich dann einer auf einen
Restastigmatismus von ca. L/8 PV, den er nur deswegen erkennt, weil ich wirklich zum Vergleich die Höchstvergrößerung gewählt
hatte. Für eine bodenständige Betrachtung meiner Ergebnisse nützen eigentlich nur verläßliche Berichte aus der Praxis, denn dafür
sind meine Messungen eigentlich da. BeobachtungsPraxis: Astigmatismus - wie groß darf er sein? Astigmatismus - Zemax-Simulation,

@VMC_Reu-07.jpg

Jedenfalls entspricht das ober artificial Sky Bild und das Interferogramm einem Astigmatismus-Fehler an der Wahrnehmungs-Grenze,
und schon aus diesem Grunde hätte der Astigmatismus als Restfehler drin bleiben müssen, um eine Antwort auf die Wahrnehmungs-
schwelle zu bekommen.

@VMC_Reu-08.jpg

Als Feinmechaniker im ersten Beruf - fehlt einigen der Optikexperten regelrecht - ist man mit oberem Strehlergebnis nicht zufrieden.
Dafür hat man eine berufsbedingte Neugier, wo das Ende der Fahnenstange ist:
Der dritte und letzte Justierschritt geht also nochmals zurück zur Hauptspiegel-Zentrierung, bis der im Labor noch wahrnehmbare Astig-
matismus beseitigt ist. Jedenfalls ist der Sprung von Strehl 0.704 auf Strehl 0.914 gut zu erkennen. Jetzt wäre der reine Astigmatis-
mus auf L/5.9 reduziert und als alleiniger Restfehler wäre das dann ein Strehl von 0.957. Nach Formel hätte dieses System eine
Auflösung von 0.692 arcsec bei 550 nm wave, bei einem Doppelsternabstand von 6µ auf folgendem Bild käme man rechnerisch
auf 0.63 arcsec, womit man eigentlich zufrieden sein könnte.

@VMC_Reu-09.jpg

Bei diesem Streifenbild sind die Streifenabstände nahezu gleich, was den hohen Strehlwert erlaubt.

@VMC_Reu-10.jpg

@VMC_Reu-11.jpg

Wie empfindlich der Sachverhalt ist, ergibt sich aus der Tatsache, daß gestern abend das System exakt zentriert war, heute morgen
allerdings dieser Astigmatismus deutlich zum Vorschein kam. Wenn der Tubus nicht exakt ausgekühlt ist, stimmt bereits die Haupt-
Spiegelzentrierung nicht. Erst die Temperierung über die Nacht und erneute Zentrierung brachte das Gerät dorthin, wo man es haben
will. Damit ist auch klar, welchen Schwankungen solche Teleskope beim täglichen Gebrauch und Transport ausgesetzt sind und gut
zusammenspielt mit der Frage: Wie groß ist die Bandbreite für die Wahr(Wahn)nehmung optischer Fehler.
Da meine Berichte - Labor-Berichte sind, wären Berichte aus der Praxis immer eine willkommene Ergänzung. Also nicht die Diskussions-
"Kultur" mancher Optik-Weisen, die schon äußerst sorgfältig meine Beiträge lesen, um sie dann abzukupfern. Meine Refraktor-
Vermessung mit allen Feinheiten ist so ein Beispiel. In manchen Fällen sind sie jedoch päpstlicher als der Papst.

@VMC_Reu-12.jpg

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Man kann es auch übertreiben . . .

. . . wie einen Patient beobachte ich das VMC 200, nachdem ich es gestern endgültig zusammengebaut habe. Kleinigkeiten, wie die
Fixierung des Hauptspiegels, wirken sich sofort auf die Zentrierung aus. Aber der Strehl läßt sich um weitere 3%-Punkte nach oben
"ziehen". Interessanterweise jetzt mit einem Rest-Astigmatismus in drei-eckiger Form.

@VMC_Reu-14.jpg


@VMC_Reu-15.jpg