E074 Wider alle opt. Vernunft - Petzval-Systeme Abstand Objektiv - Reducer einhalten

Wider alle opt. Vernunft - Petzval-Systeme

Petzval Systeme sind fotografische Systeme. Als solche bieten sie a) ein ebenes Bildfeld und b) eine
punktförmige Abbildung bis zum Bildfeld-Rand. Petzval-Systeme bestehen prinzipiell aus einer
Linsengruppe am Eingang eines Teleskops und in Okular-Nähe ebenfalls ein zweites Element, eine
Art Feldkorrektor. Der Abstand der ersten und zweiten Linsengruppe ist vom Design festgelegt, also
nicht variabel, "ein-betoniert" gewissermaßen. Ein solches System erzeugt also ein ebenes Bildfeld
mit einer perfekten Abbildung bis zum Rand, und die Okular-Einheit mit Fokussierung erfolgt * NACH *
dem eigentlichen Petzval-System. So sind alle die Teleskope gebaut, die man z.B. als Takahashi FSQ
85 ED, als TeleVue 140 oder als Pentax 75 SDHF kaufen kann oder konnte. Bis zum Okular-Auszug
sind es also "starre" Systeme mit festen Abständen. Mit dem Okular-Auszug wird auf ein solches
System fokussiert.

Beispiele Für Petzval-Systeme:

http://www.astro-foren.de/showthread.php?15498-Ausgesprochen-farbrein (erster Bericht)
http://www.astro-foren.de/showthread.php?14448-quot-Foto-Maschine-quot-TeleVue-140-APO-Petzval-System
http://www.astro-foren.de/showthread.php?10322-Takahashi-FSQ-85-ED&p=39150#post39150
http://www.astro-foren.de/showthread.php?9386-Pentax-75-SDHF-von-Thomas-(Knickohr)&p=35817#post35817

APM-107_18.jpg

Seit einiger Zeit gibt es für lichtstarke Teleskope, sei es APO's oder Halb-APO's sogenannte Flattners oder Reducers, die zusammen
mit dem vorderen Objektiv ein ebenes Bildfeld und eine gute bis perfekte punktförmige Abbildung garantieren, wenn

ja, wenn der ! richtige ! Abstand zwischen Objektiv und Flattner eingehalten wird.

Und nun beginnt das Drama: Dieser Flattner braucht - so erzwingt es sowohl Objektiv wie Flattner zusammen als Einheit - braucht also
einen festen Abstand zueinander, den man auf der opt. Bank ausmessen kann, und auf der Skala des Okular-Auszuges angeben kann.
In diesem Fall sollte eigentlich der Okular-Auszug mit dem feststehenden/ermittelten Abstand festgeklemmt werden, weil die
Fokussierung auf ein solches Bild nach der Einheit Objektiv+Flattner erfolgen sollte. Das verstehen aber offenbar nicht alle, und nun
nimmt das "Unglück" seinen Lauf. Und weil bei falschem Abstand aus den Sternpünktchen plötzlich kleine Striche werden
können, wird eine Verkippung von Bildfeld zu Chip-Ebene diagnostiziert und darüber hinaus noch ein Kipp-System
angepriesen.
Genau solche Striche sehe ich aber auch, wenn der Abstand zwischen Objektiv zu Flattner falsch ist.
Also habe ich zusätzlich im 1. Bericht auch die Abstände veröffentlicht. http://rohr.aiax.de/APM-107_13.jpg

Der Sternfreund hat sich also für dieses System entschieden. Hat sich den optimalen Abstand zwischen Objektiv und Flattner/Reducer
ausmessen lassen, hat die richtige Skala-Einstellung gezeigt bekommen. Auch der Backfokus wurde ausgemessen und über den
Artificial Sky Test entstanden Bilder zur Abbildung im Bildfeld - alles wunderbar.

In der Folge stimmte aber die Sache dann doch nicht. Warum eigentlich? Also wurde ihm noch eine Kipp-Einrichtung verkauft, weil es
daran liegen könnte. Jetzt funktionierte es erst recht nicht. Ja, warum denn nicht?

Die einfache Regel heißt: Der Abstand zwischen Objektiv und Reducer muß in jedem Fall eingehalten werden. Das heißt, wenn man
erfolgreich fokussiert hat, bzw. "scharf" gestellt hat, dann muß die Skala-Einstellung 100-Einheiten anzeigen. Widrigenfalls unbefrie-
digende Ergebnisse herauskommen. Das bedeutet, daß man über Abstands-Ringe zwischen Reducer und Kamera-Chip den Abstand
so einstellt, daß man bei erfolgter Fokussierung bei der Skala-Einstellung 100 Einheiten gelandet ist. Dafür war u.a. mein 1. Bericht
gedacht
:
mit folgendem Hinweis.

Quote:

Zusammen mit dem 0.75 Flattner die Strehl-Qualität auf der opt. Achse, wobei man unbedingt den richtigen Abstand, Objektiv zu 0.75 Flattner, von 100 Einheit auf
der Skala einhalten muß. Würde dieser Wert nicht stimmen, bekommt man Koma-Figuren und man kann nicht mehr scharfstellen. Außerdem geht dann in
das Meßergebnis eine leichte Dezentrierung des Flattners ein, das man aber erst merkt, wenn der Flattner zu nahe am Objektiv sitzt. Hier wird der
Flattner "überstrapaziert". Für diesen Fall würde auch die Korrektur nicht funktionieren. Man kann also das System sehr schnell falsch beurteilen, wenn
man die richtigen Abstände nicht einhält.

Die opt. Bauteile können also noch so gut sein. Wenn Grundregeln der Optik nicht eingehalten werden, dann funktioniert
es leider nicht. Die Fokussierung an der falschen Stelle verführt dazu regelrecht.

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 Wie finde ich den optimalen Abstand Objektiv - Flattner (Reducer) ?

Damit ein opt. System die gewünschten Bedingungen erfüllt, müssen z.B. die Abstände der einzelnen Bauteile eingehalten werden.
Bei einem Petzval-System wird das erzwungen, vorderes Objektiv und hinterere Feldkorrektur-Linse haben einen festen abstand, und
erst danach regelt der OAZ-Fokuser den Abstand des Systems zum Fokus. Der eigentlich übliche Fall erzeugt deshalb keine Probleme.

Nun gibt es seit einiger Zeit die Flattner und Reducer. Und auch hier müssen die richtigen Abstände eingehalten werden, wenn das
System funktionieren soll. Sinniger-weise ist für ein solches Gesamt-System der OAZ-Fokuser genau an der falschen Stelle, also zwischen
vorderer Objektiv-Linse und 2. LinsenGruppe. (Und nun fokussieren sich die "braven" Astrofotografen einen "Wolf" und ärgern sich
über die schlechten Ergebnisse, weil ihnen keiner sagt, daß das so nicht funktionieren kann.)

Wenn ich für eine solche Situation den richtigen Abstand ermittle, am Beispiel dieses SkyWatcher Esprit, dann verkippe ich zunächst
das Gesamtsystem (Refraktor+Reducer) in seine maximal-Position vor dem Planspiegel, also 1.5° Kippwinkel, was ca. 55 mm Bild-
felddurchmesser ergibt. In dieser Stellung müssen die Sternpünktchen möglichst genauso gut abgebildet sein, wie auf der opt. Achse.
Also schiebe ich den OAZ zusammen mit dem Reducer solange "rein" und "raus", bis die Stern-Abbildung möglichst punktförmig erfolgt.

Nun bekomme ich regelmäßig zwei Abstände:
a) den Abstand auf der OAZ-Skala, den ich angebe, und der bis zuu +/- 1 mm eingehalten werden sollte.
b) auch messe ich den Abstand von der letzten Flattner-Fläche ohne Gewinde zum Fokus aus.

Der Stefan hat sich an die beiden Abstände gehalten und damit die folgenden Aufnahmen gemacht: M3 mit DSLR
Wenn also die richtige Position auf der OAZ-Skala eingestellt ist, dann muß das Bild auf dem Kamera-Sensor "scharf" sein. Dann darf man eben NICHT mehr
mit dem OAZ-Fokuser fokussieren wollen.

Und hier ist die Kipp-Vorrichtung zur kontrollierten Verkippung der Refraktoren vor einem Planspiegel. Das ginge auch am Himmel, wenn man einen Stern an
den Bildfeldrand stellt: Da müßte man aber dann zwei Fokussierer haben: einen zwischen den Linsen und einen zwischen Flattner und Fokus-Chip.