D107-02 * Ein APO und seine Reducer

Einen Anfänger könnte das Projekt in den Wahnsinn treiben: Er hat sich einen anspruchsvollen, wunderbaren LZOS APO herausgesucht,
und braucht jetzt noch einen perfekten Flattner, noch besser einen Reducer. Hier wäre bereits einschlägiges Detail-Wissen gefragt,
weil es bei der Adaption von Fernohr und nachfolgendem Reducer einige Feinheiten zu beachten gilt. Davon mehr im folgenden Bericht.

Das grundsätzliche Problem beginnt damit, daß die Länge des LZOS APM Tubus um mindestens 40 - 50 mm zu kurz ist, was man später
mit Zwischen-Ringen überbrücken muß. Bei manchen dieser LZOS-Tuben wird der Riccardi Reducer im Tubus-Inneren untergebracht,
bei anderen - wie im vorliegenden Fall - außen, also links vom Tubus-Flansch. Für die Photoline 0.79 x Reducer-Lösung ist dieser Tubus
plus Okular-Auszug schlicht zu kurz, sodaß dieser Reducer gar nicht in die optimale Position gebracht werden kann. Man braucht also
eine weitere 40 mm Zwischen-Hülse zur Tubus-Verlängerung: Ein Bündel von Bedingungen und ein reger Briefwechsel (Email), bis man
am Ziel seiner Wünsche ist.

Dieser Bericht wurde auch geschrieben, um weiteren Sternfreunden den Weg zu einem gut funktionierenden System etwas zu ebnen.
Es müssen ja nicht jedes Mal die gleichen Erfahrungen sein. Zumindest zeigte sich der betreffende Händler sehr kooperativ.


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Der Sternfreund bestellte sich zuerst die Photoline 0.79x Lösung, die aus ganz unterschiedlichen Gründen zunächst nicht funktionierte.
Später kaufte ich mir ebenfalls einen dieser TS-Reducer, damit ich - wie beim Riccardi-Reducer auch - für derartige Fälle "gewappnet" bin.
Die handwerkliche Ausführung dieser Reducer spielt bereits eine große Rolle: Der Riccardi-Reducer ist auf der opt. Achse perfekt, egal wo
er gerade positioniert worden war. Beim Photoline reduziert sich  die Achskoma erst, wenn dieser in der optimalen Position steht - hier ist
die Toleranz gewissermaßen einkalkuliert. (Je geringer die beanspruchte Linsenfläche, umso geringer auch die störenden opt. Fehler.
Und das ist nur am Ort  der optimalen Position der Fall.) Wie das Foto zeigt, habe ich daraufhin den zu kurzen Tubus + OAZ bis zum Anschlag
herausgedreht, ebenso die beiden durch gelbe Pfeile gekennzeichneten Gewinde, damit der Photoline Reducer einigermaßen in die richtige
Position gelangt. Hier ist also eine 40 mm Verlängerungs-Hülse erforderlich, und erst dann kann man beide Abstände ermitteln:
a) zum vorderen Objektiv auf der OAZ-Skala und b) vom Reducer-Ende zum hinteren Fokus. Die Flattner/Reducer-Lösungen sind immer
eine Art Petzval-System und funktionieren nur, wenn der Reducer zum vorderen Objektiv den richtigen/optimalen Abstand hat, wie
bei einem Petzval-System.

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Die erste Photoline-Lösung wurde zunächst vertagt und mit dem Riccardi-Reducer 0.75x nach einer brauchbaren Lösung gesucht. Bereits
hier taucht ein weiteres Problem auf: Es gibt - je nach Tubus/Fernrohr-Typ die Möglichkeit, den Riccardi-Reducer entweder rechts vom Flansch
in den Tubus zu stecken, oder aber von links in den Flansch einzuschrauben. Für jeden dieser Fälle gibt es einen eigenen Flansch, und wer sagt
es denn, daß man sofort den richtigen Flansch bekommt? Im zweiten Anlauf trifft der aber dann ein.



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Der Riccardi-Reducer sitzt jetzt an der richtigen Position, ermittelt über den Verkippungs-Test im Bildfeld über den "künstlichen Sternhimmel",
danach erst die Einheiten auf der OAZ-Skala dokumentiert und schlußendlich auch den den Abstand zu Fokus mit 71.5 mm ausgemessen.Es fehlt
nur noch die Adaption bis zur Kamera: Vom Kamera-Gehäuse außen bis zum Sensor sind es 44 mm, der Adapterring mit Bajonett-Anschluß ca.
10.5 mm. Es bleibt nur noch ein Sortiment von dünnen Zwischenringen von ca. 16 - 17 mm.

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Wie man die Abstände optisch ermittelt,  soll weiter unten  nachgetragen werden. Um Mißverständnisse mit dem Händler/Lieferanten
möglichst auszuschließen, eignet sich besser ein Foto, da man als Kunde die ganze TS-interne Fach-Terminologie nicht kennt. Die Lösung
mit dem Riccardi-Reducer ist jetzt komplett  und muß sich 
nur noch  in der Praxis bewähren.


Wer den Abstand Kameragehäuse-Sensor ermitteln will, kann sich so behelfen: Zunächst braucht er eine helle Lichtquelle, die in sich,
also durch das System und zurück die exakte Fokus-Lage ermittelt. Man bekommt also den exakten Fokus-Punkt (Quelle + Abbildung)
was bedeutet, daß auf dem Hinweg zum Planspiegel ein absolut paralleles Lichtbündel entsteht, wie eben am Himmel auch. Links unten
wird die Lichtquelle zur Hälfte mit einer Kutter-Schneide abgedeckt, rechts untem im roten Kreis die Abbildung dieser Lichtquelle. Man
kann nun relativ genau den exakten Fokuspunkt ermitteln.




Diese Lichtquelle im Unendlichen braucht man nun. Und wenn man das System sorgfältig aufgestellt hat, dann sollte hinter dem Reducer
bis zum Fokus des Systems LZOS-APO + Riccardi Reducer wieder ein Abstand von 71.5 mm entstehen. Das wäre der 1. Schritt, den es
zu überprüfen gilt, deshalb unten eingeblendet eine kleine Projektions-Fläche, mit der man genau den Abstand ermitteln kann.




Statt der Projektions-Fläche wird nun stattdessen die Kamera so eingesetzt (natürlich vorher auf Unendlich eingestellt), sodaß sich hinten
auf dem Display erneut die Abbildung der Licht-Quelle "scharf" abbildet. Damit ergibt sich auch der Abstand der Kamera zum Reducer, der
ca. 16-17 mm beträgt, wie auf dem Bild vorher zu sehen war. Es gibt sicherlich mehrere Methoden, die richtigen Abstände zu ermitteln.
Hat man schlußendlich auch noch diese Zwischenringe bei ca. 16 mm, dann wäre dieses System funktionsbereit.

Wie es mit der Variante LZOS APO + TS Photoline 0.79 x weitergeht, wird weiter unten beschrieben.



Nachzutragen bleibt zunächst die opt. Qualität des LZOS-APO-Refraktors.



Das Foucaultbild steht für die typische Farbverteilung eines APO's, das Ronchi-Bild zeigt ein leicht unterkorrigiertes System, der LYOT-Test
ist unauffällig. Der Farbsaum beim Sterntest ist charakteristisch für einen APO.




Die Auflösung auf der optischen Achse entspricht der Formel und kann deshalb gut über die Fotografie nachgewiesen werden. Die
Auflösung über den Kamera-Sensor mit 3x3 Pixeln bzw. ca. 16.18 Mikron ist etwa um den Faktor 3 geringer, weswegen viele opt.
Restfehler auf einem Rohbild nicht mehr zu sehen sind.

Ohne Flattner oder Reducer vergrößert sich im Bildfeld außerhalb der opt. Achse sehr schnell Koma und Astigmatismus, wie ich an
den Interferogrammen zeigen möchte.




Die Auswertung für Grün liefert nahezu die gleichen Strehl-Ergebnisse ab, wie sie auf beigelegtem Test-Report ebenfalls zu finden sind.












Der Test-Report von LZOS



Das Sekundäre Spektrum, wie es bei einem APO üblich ist. Visuell sieht man Rot kaum.



Die RC_Indexzahl steht also für einen APO


Die ursprüngliche Lösung  LZOS APM P123 / 6 Nr. 056 + TS Photoline 0.79 x

Wissenswert ist in jedem Fall die Frage, wie unterscheiden sich beide Möglichkeit, also LZOS APM P123 / 6 Nr. 056 +  Riccardi-Reducer 0.75 x
oder  LZOS APM P123 / 6 Nr. 056 + TS Photoline 0.79 x, wenn auch hier die optimale Position gefunden ist. Auch dies sollte nochmals unter-
sucht werden. Die Verlängerungs-Hülse mit 40 mm Länge entspannt die Situation etwas. Jetzt sind es auf der OAZ-Skala 84 Einheiten. Der
Abstand von 54 mm zum Fokus ist aber sehr knapp, da das Kamera-Gehäuse bereits 44 mm bis zum Sensor beansprucht und der Anschluß-Ring
ebenfalls 10.5 mm - es geht also sehr knapp aus. Bei 4° Bildwinkel ist die Vignettierung geringfügig größer, was aber nicht für alle Fälle gilt.

Auffallend bei dieser Lösung (Photoline Reducer + 40 mm Verlängerungshülse) ist der kurze Abstand der letzten Reducer-Fläche zum
Fokus mit nur noch 54 mm. Auf der TS-Webseite ist dies mit ca. 56 mm angegeben. Es wird also knapp, weil das Kamera-Gehäuse intern bereits
44 mm benötigt und damit nur noch "schmale" 10 mm übrigbleiben für den Adapter-Ring.  Zum einen fängt das die Toleranz etwas auf,
zum anderen bestätigt sich, daß die Angaben von TS und meine Messungen nahe beieinander liegen.




Bezogen auf die reduzierte Auflösung, wie sie durch den Kamera-Sensor entsteht, sind sich die Abbildungs-Ergebnisse auf dem Rohbild ähnlich, 
die "Zerstreuungs-Figuren" liegen innerhalb der fotografischen Auflösung. Ausgeprägter ist jedoch beim Photoline Reducer ein deutlicher
Farbquerfehler, bei 4° Bildwinkel gut zu sehen. Aber auch hier stellt sich die Frage, wieviel davon man auf dem Rohbild später sieht.




Die folgende Aufnahme findet man hier:
 http://www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/language/en/info/p6086_TS-PHOTOLINE-3--4-element-0-79x-corrector-for-Apo-refractos-up-to-4--aperture.html
die volle Auflösung unter diesem Link: http://www.teleskop-express.de/shop/Bilder/shop/tsoptics/ts-apo-102/tsapo102s-ts079reducer-jensen.jpg