D083A TAL 200K - Der Widerspenstigen Zähmung

Siehe auch: D083 * TAL Klevtsov 200 f/8.5mit FS-Mangin-Spiegel  ,   http://rohr.aiax.de/@TALKlevtsov_06.png
http://en.wikipedia.org/wiki/Klevtsov%E2%80%93Cassegrain_telescope

Es ist ein System mit einem sphärischen Hauptspiegel und einer Sekundärspiegel-Einheit. Bei diesem Zweilinser ist die Rückseite
der hinteren Linse verspiegelt. Angeliefert wurde also ein Teleskop mit einem relativ großen Rest-Astigmatismus und einer deut-
lichen Unterkorrektur sodaß ein "schmaler" Strehl-Wert von 0.622 herauskam. Siehe auch
Zusammen mit einem Zentrierfehler war der Sternfreund mit der Abbildung besonders bei hohen Vergrößerungen nicht so zufrie-
den. Und weil man nicht jeden Tag mit diesem  Klevtsov/Cassegrain System zu tun hat, artet eine Optimierung regelmäßig in
Arbeit aus. Zwei Fehler sind aufzuspüren und zu beseitigen: Der relativ große Rest-Astigmatismus und eine ebenfalls zu große
Unterkorrektur. Den Rest-Astigmatismus sucht man daraufhin entweder in der Lagerung des sphärischen Hauptspiegels, oder
was schlimmer ist, bei der Sekundärspiegel-Einheit, die ich aus guten Gründen nicht zerlege - denn dann verstreicht viel Arbeit-
Zeit, bis alles wieder stimmt.

Der zweite Fehler - einer zu deutlichen Unterkorrektur - entsteht möglicherweise dadurch, daß die Sekundärspiegel-Einheit an
der falschen Stelle sitzt, zumal der Hersteller dort eine Möglichkeit der Verschiebung eingebaut hat. (Derzeit 5.8 mm von der
Vorderkante). Schließlich muß man abschließend das System selbst vor einem Planspiegel wieder ordentlich zentrieren. Da gibt
es zwar Anleitungen dazu, nur die sind vermutlich von Leuten geschrieben, die noch nie ein solches Klevtsov/Cassegrain System
zentriert haben. Ich verlasse mich also auf meine eigenen Erfahrungen. 

Da liegt nun das Objekt der Begierde und wartet auf diverse erhellende Tests.

HS_TAL200K_01.jpg
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Wer im Web nach den opt. Daten sucht, findet hier  die Angabe 200/2000 mm, aber hier dagegen 200/1700, was ich als die neuere Variante
interpretiere. Insofern wäre die Vergrößerung beim Artificial Sky Test 1111-fach. Mit diesem Eingangs-Test hat man sofort eine Übersicht,
woran ein Teleskop krankt. In diesem Fall ein deutlicher Astigmatismus, sodaß im Fokus schöne "Kreuze" erkennbar sind.


HS_TAL200K_02.jpg
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Die Unterkorrektur zeigt der Ronchi Test am besten. Sphärische Aberration verschiebt einen Teil der Lichtenergie in die
Beugungs-Ringe, das tut aber die Obstruktion ebenfalls, sodaß man beides nicht eindeutig unterscheiden kann. Die 
Punkte beim Lyot- Rauhheits-Test deuten auf Staub auf einer der Flächen hin. Es kann aber auch sein, daß das System
bei einer Sonnenbeobachtung "geröstet" worden ist, wie ich das unlängst erlebt habe. Manche Sternfreunde denken
leider erst hinterher.  Siehe: http://rohr.aiax.de/SC-Lyot38A.jpg

HS_TAL200K_03.jpg
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Die Unterkorrektur dokumentiert sich im Interferogramm durch die "W"-förmige Überlagerung der mittleren Streifen.

HS_TAL200K_04.jpg
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Die Wellenfront-Darstellung zeigt außerdem einen deutlichen Astigmatismus, wie weiter oben schon besprochen.

HS_TAL200K_05.jpg
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Die Licht-Energie-Verteilung hat ein reduziertes Maximum, der Astigmatismus ist im 1. Beugungsring zu sehen. Gegen Ende diesen
Berichtes kann man zum Vergleich den optimierten Zustand erkennen. 

HS_TAL200K_06.png
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Die Fehler-Differenzierung weist für Astigmatismus aber auch Spherical zu große Werte aus, und das schränkt hohe Vergrößerungen
und Kontrast erheblich ein.


HS_TAL200K_07.jpg
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Nach dieser Bestandsaufnahme untersuchte ich das Innenleben dieser Optik - ziemlich radikal, wie man sieht. Besonders auffällig ist,
daß alle Schrauben mit Gewalt "angeknallt" waren, als wolle man ein Auto dranhängen.


HS_TAL200K_08.jpg
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Zur Dokumentation die rückwärtige Ansicht der Sekundär-Spiegel-Einheit, eines Zweilinsers mit verspiegelter Rückseite. Sinn-
vollerweise gesichert wegen leichtsinniger Optik-Forscher !!!


HS_TAL200K_09.jpg
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Der sphärische Hauptspiegel hat ebenso keine Blessuren, außer, daß er leicht eingstaubt ist.

HS_TAL200K_10.jpg
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Prozeß der Optimierung - wo steckt der Astigmatismus

Die Lagerung des Hauptspiegels könnte die Ursache sein, ist aber weniger wahrscheinlich. Zugleich ist dieser Test die Bestätigung,
daß der Hauptspiegel sphärisch ist und damit das System auch eine Dezentrierung verkraften würde: Es ist ja eine Sphäre, und genau

aus diesem Grund haben alle SC-Systeme keine Zentrier-Möglichkeit am Hauptspiegel.

HS_TAL200K_11.jpg
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Der Artificial Sky Test zeigt keine Fehler - den HS betreffend.

HS_TAL200K_12.jpg
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Sicherheitshalber wird der HS wieder eingebaut und über ein Abroll-Verfahren zentriert. Damit wäre dieser Teil fehlerfrei. 
Die Halterung der Sekundärspiegel-Einheit hat im Zentrum einen Schraubring, über den man den Abstand HS - Sekundär-
spiegel einstellen kann. Je näher man den Sekundäörspiegel an den HS rückt, umso weiter verlagert sich der Fokus nach
hinten, etwa im Verhältnis 1:10. Das sollte  man möglichst nicht verändern wollen.


HS_TAL200K_13.jpg
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Vor einem Planspiegel muß das Gesamt-System exakt zentriert werden - bei solchen Systemen exakt auf der opt. Achse.

HS_TAL200K_14.jpg
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Der mittige Poisson-Punkt ist das Zentrum des rotations-symmetrischen Sternscheibchens und Nachweis erfolgreicher Zentrierung.

HS_TAL200K_15.jpg
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Der Effekt der Temperatur ist manchmal verblüffend. Welchen Einfluß die Temerpatur in manchen Fällen hat, erlebte ich erneut
beim TAL 200K. Der im OAZ eingeschobene künstliche Stern erzeugt unvermeidbare Wärme, auf die manche Systeme heftig
reagieren. Aus diesem Grund schalte ich die Lichtquelle immer wieder ab. Zu Beginn (auf dem folgenden Foto) war der Astigma-
tismus deutlich zu sehen, auf dem mittleren Teil war die Rest-Koma noch zu erkennen. Erst nach weiteren 4 Stunden senk-
rechter Auskühlzeit entstand der Bildteil ganz rechts. Das kann nur damit zu tun haben, daß sich zwischenzeitlich das System
voll temperiert hatte. Auch die Unterkorrektur war davon betroffen, am Ende der Messung hatte sie sich zurück-entwickelt.
Ganz verschwunden ist der Astigmatismus jedoch nicht, die Unterkorrektur ebenfalls nicht. Interessant auch der Vergleich mit
meinem Bericht vom 25.01.2010: Auch damals war das System unterkorrigiert mit ähnlichen Werten:
http://rohr.aiax.de/@TALKlevtsov_06.png


HS_TAL200K_16.jpg
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Sehr viel "friedfertiger" schaut am Ende das Interferogramm aus. Lediglich an den ansteigenden Steifenabständen S->N wäre ein Rest-Astimtismus
von PV L/5.5 zu erkennen, siehe die Fehler-Differenzierung weiter unten.


HS_TAL200K_17.jpg
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Auch die Unterkorrektur ist noch vorhanden - nur weniger groß mit PV L/4.9

HS_TAL200K_18.jpg
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Verglichen mit dem PSF-Bild von oben ist nun das Maximum deutlicher erkennbar, Koma kaum und Astigmatismus bei PV L/5.5

HS_TAL200K_19.png
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Und zum Schluß die differenzierte Fehler-Analyse. Am Himmel müßte der Sternfreund jetzt wieder Spaß an der Beobachtung
haben. Diesmal war es vermutlich der Temperatur-Einfluß, der die Arbeit erschwerte.
 Man möge das TAL 200K jetzt in Watte
packen und vorsichtig  tragen  -  und immer senkrecht ausklühlen lassen.

HS_TAL200K_20.jpg
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Interessant die Bestätigung des Sternfreundes, daß dieses System sehr stark auf Temperatur-Angleichung reagiert: Erst nach mindestens
1-2 Stunden Auskühlzeit ist das System bereit, seine volle Leistung abzuliefern - eine schöne Bestätigung !

 

Kommentare   

# klarinetto 2015-05-05 21:19
Hi Wolfgang
lese mit Interesse deine ganzen Berichte. Schade, dass die "Szene" dein Wissen nicht mehr will. Trotzdem: Hut ab! VG Klarinetto
Antworten
# wolfgang 2015-05-09 22:14
Hallo Klarinetto,

wer eigentlich ist die Szene? Die paar selbsternannten Optik-Experten, die die Foren nur vollschreiben? Die über jegliche Selbstzweifel erhaben sind?
Darüber habe ich nämlich sehr viel Zuspruch gerade aus der Szene. Meine Berichte sind zu 50% für mich geschrieben, weil ich auch immer wieder nachschauen will, wie das damals war, und natürlich für alle die Sternfreunde, die nach wertfreier Information suchen. Insofern ist das ein sehr sehr schönes Hobby.
Antworten
# Klarinetto 2015-05-12 22:16
Du hast Recht.
Mein Astro-Leben sähe heute besser aus, hätte ich mich nicht verrückt machen lassen, damals, vor über 10 Jahren, als ich einen sog. "Farbwerfer" hatte, (150mm FH 1:8)hönsten Beobachtungen bescherte. Im Allgäu unter dunklem Himmel auf Anhieb die F und E Komponenten . Die Foren sagten: Du hast Schrott.Nur ein großer Newton ist das Wahre!Dann zog Klarinetto los und kaufte sich einen 16Zoll Dobson. Und weil auch durch meine Beobachtungsberichte die Leute sagten, das ist auch Schrott, fuhr ich zu Dir und du hast den Teil getestet und für gut befunden. Doch : Aber Ach! Wieder nix! Die Foren sagten, der testet schlecht. und so weiter.... :) Fazit: inzwischen gucke ich nur noch mit meinen alten Augen in den Himmel, und das reicht durchaus. Mir völlig !! wurscht, was ein anderer sieht oder sehen könnte oder nicht sieht. In diesem Sinne! Alles Gute! :)
Antworten
# wolfgang 2015-05-13 10:25
Hallo Klarinetto,

Foren funktionieren kaum anders als Soziale Netzwerke, sie sind eine Art öffentliche Prostitution und kaum ein Austausch von harten Fakten und abgesicherten Informationen: Es ist eine Meinungs-Schleuder besonders der eigenen Gefühle wie Neid, Mißgunst, Profil-Neurose etc. Da man unter den Hobby-Astronomen schon sehr seltsame "People" antrifft, sollte man sinnvollerweise darauf verzichten und seinen eigenen Weg gehen - das ist gesünder und kostet weniger. Du kannst natürlich wie Sokrates einst mit einer Lampe über den Marktplatz von Athen stiefeln und nach Menschen suchen. Muß nicht sein.
Je älter man wird, umso einsichtiger wird man - hoffentlich!

Also leide nicht mehr und gehen Deinen Weg! das reicht völlig.
Antworten
# Klarinetto 2015-05-14 21:36
Stimmt, lieber Wolfgang, diese Erkenntnis hart mich tausende von Euros gekostet und manche schlaflose Nacht.
;)
In diesem Sinne!
Alles Gute!
Antworten
# Andreas-TAL 2015-05-17 21:41
Hier gibt's viel mehr über das Klevtsov System:
https://de.groups.yahoo.com/neo/groups/TAL_250K/info
Grüße,
Andreas mit dem TAL
Antworten
# wolfgang 2015-05-17 22:30
Hallo Andreas,

für einen, der sich durchaus interessiert für Zit."mehr über das Klevtsov System", der scheitert daran, daß er sich erst anmelden soll, ohne zu wissen, was ihn dann erwartet. Sachliche Informationen sollten eigentlich frei zugänglich sein, sonst wirkt Dein Internet-Auftritt wie eine "Geschlossene Gesellschaft" . Ich würde also keine unnötigen Hürden aufbauen.
Antworten
# Andreas-TAL 2015-05-18 00:13
Der Infotext beschreibt eigentlich ausführlich was einen erwartet.

Die "geschlossene Gesellschaft" wie du sie nennst hat einfach nur den Zweck, dass Mailadressen und Kontaktaktinformationen vor Zugriffen etwas sicherer sind als sonst und die nicht jeder einfach so abgreifen kann.

Zusätzlich habe ich kein Interesse daran ständig Spams über Viagra und Co. (wie sonst bei völlig offenen Yahoo-Gruppen "üblich") rauszufischen.

Ansonsten habe ich niemanden nicht zugelassen oder gesperrt oder sonstwas was eine freie Diskussion beeinflusst, gemacht.

ÄHM, DU BIST ÜBRIGENS SEIT 30. JUNI 2012 MITGLIED IN DER O.G. YAHOO-GRUPPE, SAGT MIR MEINE MITGLIEDERVERWALTUNG ;)
Antworten
# wolfgang 2015-05-19 13:53
Hallo Andreas,

nicht alles schreibe ich mir auf - das Paßwort würde ich deshalb gar nicht mehr finden.
Antworten
# Andreas-TAL 2015-05-19 22:42
Ich habe auch als Mod. keinen Zugriff auf die Passwörter. Ich kann nur einsehen, dass du dich mit deiner t-online Adresse registriert hast und du dafür dein Yahoo Passwort brauchst.
Was vielleicht klappen könnte, wäre Dich aus der Gruppe rauswerfen und wieder neu einladen.
Soll ich?
Antworten