D044 C11 - nahezu perfekt auf Grün optimiert



http://astrofotografie.hohmann-edv.de/teleskope/reflektoren.schmidt-cassegrain.php
http://www.astronomische-vereinigung-augsburg.de/fileadmin/bilderordner/LX300-gross.gif
http://en.wikipedia.org/wiki/File:Schmidt-Cassegrain-Telescope.svg

Ein fast perfektes C11

Dieses optische System ist sehr handlich und wird deswegen sehr oft eingesetzt, besonders
auch für die Planeten-Fotografie. Die Computer-Nachbearbeitung liefert in der Regel dann
hervorragende Ergebnisse ab. Trotzdem darf man nicht vergessen, daß es ein obstruiertes System
ist und der Einfluß von Fangspiegel und Schmidtplatte das Ergebnis oft "herunterzieht". Vor dem
preislichen Hintergrund - für ca. 1800.- Euro bekommt man mittlerweile den opt. Tubus - kann man
sich hoch-glücklich schätzen, besonders wenn man vorliegendes C11 bekommen hat.

Den opt. Tubus immer senkrecht auskühlen! Bob Knops vermeiden! Sonst hält die Justage nicht!
Spiegelshifting gehört offenbar der Vergangenheit an. Äußerst bemerkenswert auch die Tatsache, daß in
diesem Fall das Optimum bei Grün = 546.1 nm wave liegt. In früheren Zeiten fand man das Optimum bei
Rot = 656.3 nm wave, sodaß das kürzere Spektrum regelmäßig überkorrigiert war. Auch Astigmatismus
sucht man bei diesem Exemplar vergeblich, was ein weiterer Pluspunkt ist. Allerdings ist der Wunsch vieler
Sternfreunde nach einem ausgesuchten Teleskop nicht realisierbar, weil bereits der Hersteller keinerlei
Qualitäts-Urkunde beilegt. Man kann sich streiten, ob man das bei diesem Preis noch verlangen kann.
Das so beliebte "Tunen" von SC_systemen bitte unterlassen. Es hat noch keiner den schlüssigen Beweis
geliefert, daß das Gerät hinterher besser ist. Aber häufig stimmt dann die Schmidtplatten-Position und
auch der Fangspiegel nicht mehr und die feinen Velournadeln verteilen sich später auf dem Hauptspiegel.
"Verschlimm-Bessern" nennt man diesen Vorgang. Manche Ideologien sind aber leider unausrottbar.

C11_Woro01.jpg

Als sehr wirkungsvollen Übersichts-Test hat sich mein künstlicher Sternhimmel herausgestellt mit Pinholes in der
Größe von 3-5 Mikrons, sodaß eine Reihe opt. Fehler sofort sichtbar wird: Die Obstruktion verlagert einen
erkennbaren Teil der Lichtenergie in den ersten Beugungs-Ring. Ist der möglichst geschlossen, dann ist das
System frei von Astigmatismus und Koma. Wobei Koma auch über den Testaufbau und die exakte Justage
des Systems mitverursacht wird, also teilweise abgezogen werden muß. In diesem Fall ist das Ergebnis bei
hoher Vergrößerung nahezu störungsfrei und damit bereits der 1. Hinweis auf ein sehr gutes C11.

C11_Woro02.jpg

Die 3-D-Darstellung wäre ein erneuter Hinweis, wie bei obstruierten Systemen der 1. Beugungs-Ring mehr Energie
enthält.

C11_Woro03.jpg

Reste von geringem Astigmatismus zeigt die Wellenfront-Deformation auf der Basis der Referenz-IGrammes.

C11_Woro04.jpg

Hier ist bereits auf dem ersten Blick klar, daß ein hoher Strehlwert herauskommen muß.

C11_Woro05.jpg

Verglichen mit den weißen punktierten Linien wäre die Abweichung vom perfekten Interferogramm nicht mehr
allzu groß.

C11_Woro06.jpg

In der Gesamtschau hat man es mit einem sehr hochwertigen C11 zu tun.

C11_Woro07.jpg

Vergleicht man diese Foucault-Aufnahme mit der Übersicht anderer SC-Systeme , dann hat man einen erneuten
Beweis für die hohe Qualität und es drängt sich der Eindruck auf, die Fertigung hätte einen Qualitäts-Sprung
gemacht.

C11_Woro08.jpg

Vor Jahren reagierte ein Meade-Mitarbeiter äußerst heftig auf diesen Bericht Ein ausgeprägter Gaußfehler - nur falsch optimiert.
und bestritt vehement, daß SC-Systeme einen farbabhängigen Öffnungsfehler hätten, den ich aber in der Folge
immer wieder nachweisen konnte, wie auch in diesem Fall. Er wird über die Schmidtplatte eingeführt und
stört in der Regel nicht.
Im ersten Versuch kann man ein farbiges Weißlicht-Interferogramm in seine RGB-Farbkanäle zerlegen und bekommt
unterschiedliche Interferogramme, die a) den Öffnungsfehler und b) sogar den Farblängsfehler ausweisen.

C11_Woro09.jpg

Je mehr man ins kurze Spektrum geht, also bis zur h-Linie von 404.7 nm wave, umso deutlicher läßt sich die Überkorrektur
des Systems zeigen. Wobei das Abkippen der Streifen nach oben die kürzere Schnittweite, und nach unten die
längere Schnittweite anzeigt.

C11_Woro10.jpg

Mit gleichem Verfahren läßt sich auch ein "farbiges" Ronchibild in die RGB-Farben zerlegen und man bekommt bei
Blau ein bauchiges, weil überkorrigiertes Bild, und bei Rot ein kissenförmiges, weil unterkorrigiertes Bild.

C11_Woro11.jpg

Natürlich lassen sich SC-Systeme nur untereinander vergleichen, und wenn der Hauptspiegel perfekt und ohne
Astigmatismus, und wenn die Schmidtplatte wie bei diesem C11 keine weiteren Störungen einiführt, und wenn die
Retouche am Fangspiegel ebenfalls gelungen ist, dann kommt das hier beschriebene Ergebnis heraus.

Noch eine kleine Justieranleitung: Justage über den Poisson Punkt

C11_Woro12.jpg


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