A129 StellarVue APO SV 130-9009 HAND-CRAFTED TELESCOPES Bastelarbeit

StellarVue Super-APO 90/630 1. Beispiel
StellarVue APO 90/632 - extrem farbrein, PolyStrehl 2. Beispiel

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HAND-CRAFTED TELESCOPES

Eindruckvoll zeigt dieser Hersteller, was er unter HAND CRAFTED TELESCOPES versteht: Ins Deutsche übersetzt würden wir dazu gute
Bastel-Arbeit sagen. Nach fünf Jahren wurde - laut Sternfreund - dieses Teleskop ausgeliefert mit einer Optik von LZOS. Mit Velour-
Folie und schwarzem Filz regelrecht zugemüllt und die Zentrierschrauben derart verklebt, daß zunächst erst die Gewinde nachge-
schnitten werden mußten. Über das Ganze wurde dann die Taukappe gestülpt, die zwar dann den "Verhau" gnädig versteckte, sich
dafür aber nicht mehr bewegen ließ. Die von LZOS gelieferte Optik war in einer Weise verstellt, daß das hand-crafted-telescope von
Jupiter Doppelbilder ablieferte, so die Bemerkung des Sternfreundes.


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Die professionale Arbeit in der Übersicht: Velour-Folie dort, wo sie sinnlos ist. Statt die 4 mm Bohrung am Flansch auf 5 mm aufzubohren, damit eine M5 Inbus-Schraube
durchpaßt, weil auf der anderen Seite dazu das passende Gewinde zu finden ist, behilft sich der Bastler mit langen M4 Schrauben und jeweils einer Mutter mit Beilag-
Scheibe. Diese Lösung findet man sonst nie! Der Objektiv Frontring mit Gravour oder Aufschrift fehlt ebenso, wie der vordere Ring an der Taukappe, damit man sie nicht
über das Objektiv zurück schieben kann. Die lange Lieferzeit erklärt sich offenbar dadurch, daß der Hersteller erst nach einer entsprechend großen Zahl von Interessenten
eine neue Serie von 25 Teleskopen auflegt - ein Vorgang, bei dem viel Zeit vergehen kann: ein Vabanque-Spiel zu Lasten des Kunden, weil ja eine Anzahlung geleistet
worden ist.

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So kann man eindrucksvoll zeigen, wie bei einem dejustierten Triplet die Zentrier-Koma bei 500-fach aussieht, bzw. bei Jupiter zu Doppelbildern führt. Der Hersteller
liefert zwar eine Zentrieranleitung mit, die aber bei verklebten Zentrierschrauben am Polar-Stern und tieferen Temperaturen den Sternfreund fast in den Wahnsinn trieb.
Erst einmal schade um die Optik von LZOS - die liefern eigentlich hervorragende Optiken aus, wie noch gezeigt werden kann.

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Zunächst muß man sich mit der Komafigur vertraut machen. Die Koma-Figur hat einen gut sichtbaren "Koma-Kern" und einen "Koma-Schweif." Da ein Triplet ein
sehr empfindliches System ist, müssen alle Zentrierschrauben zunächst höchst gefühlvoll mit einem Inbus-Schlüssel derart angezogen werden, indem man den
Schlüssel lediglich zwischen Zeigefinger und Daumen gefühlvoll dreht. Sonst droht Astigmatismus. Auch müssen alle Linsen erst einmal in einer Position fixiert
werden, bevor man die Einzellinsen nach System verschiebt. In der Regel ist die Verschiebung der mittleren bzw. zweiten Linse völlig ausreichend, wenn man
nicht gerade Linse 1 und 3 an den "Rand" der Fassung geschoben hätte.
Je näher man dem Ideal-Zustand kommt, umso genauer muß man hinschauen, und erst wenn der 1. Beugungs-Ring zum Maximum konzentrisch liegt, hätte man
das Objektiv perfekt zentriert. Spätestens am IGramm erkennt man, ob noch Zentrierkoma im Spiel ist, oder nicht. Dabei empfielt es sich, mit ganz kleinen Winkel-
schritten die analoge Schraube mit etwas Druck anzuziehen, bevor man auf der gegenüberliegenden Seite den Druck mit einem ebenso großen Winkelschritt
wieder nimmt. Diese Bewegung kann man sogar hören und spüren, wenn sich die Schrauben leichtgängig genug bewegen lassen. Am künstlichen Sternhimmel
läßt sich der Vorgang exakt verfolgen. Auch ein Protokoll hilft, in den Vorgang die nötige Systematik zu bringen.
Siehe auch: Zentrier-Schritte eines Refraktors vor dem Planspiegel/Flat, Kollimation, Align

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Ist das Objektiv dann für sich selbst zentriert, dann muß es im zweiten Schritt zur Tubus-Achse zentriert werden: Bei einer Verkippung zur opt. Achse würde
man die Abbildungsfehler sehen, die ein Objektiv im Feld außerhalb der opt. Achse hat, und es käme zu einer fehlerhaften Beurteilung der Qualität. Zur
Kollimation kann man neben einem Chesiere-Okular den GRZ-Kollimator benutzen, bei dem um ein kleines Keplerfernrohr 4 Leuchtdioden angeordnet sind.
Die entstehenden Reflex-Bilder müssen im Okular konzentrisch zu sehen sein, wie das links eingefügte Foto zeigt.

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Unter den drei Teleskopen dieser Art, hat dieser APO ein vergleichsweise langes Sekundäres Spektrum. Und weil mir das erste über die Power ermittelte
Ergebnis fragwürdig erschien, emittelte ich mit einer digitalen 0.001 mm Meßuhr ein nahezu identisches Ergebnis: Die kürzeste Schnittweite hat demnach
das kurze Spektrum mit Blau und erst im Abstand von 0.120 mm folgt die Schnittweite von Rot, dem langen Spektrum. Etwa in der Mitte liegt Grün. Das Optim-
mum des Strehlwertes liegt im Blaugrünen Bereich, Rot ist demzufolge etwas stärker unterkorrigiert. Geschaffen für die visuelle Beobachtung.

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Im Sterntest zeigt sich dieses Objektiv bei 200-facher Vergrößerung sehr farbrein, nicht so beim Artificial Sky Test bei 500-facher Vergrößrung. Dort
ist der Farbsaum im ersten Beugungsring deutlich erkennbar. (übernächstes Bild) Die Unterkorrektur sieht man auch intrafokal beim Sterntest. Das
wiederum ist hilfreich bei der intrafokalen Beurteilung der Zentrierung.

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Der deutlich rote 1. Beugungsring mag auch etwas mit der leichten Unterkorrektur zu tun haben, wie oben beim Ronchi-Test gut erkennbar.
Sowohl Foucault, wie Lyot-Test zeigen einen farbreinen APO. Ein Super-APO ist es trotzdem nicht.

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Die Unterkorrektur ab Grün hin zum langen Spektrum ist deutlich erkennbar.

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Nochmals die RC_Indexzahl an der Grenze zum APO und die zweifachen Ergebnisse des Sekundären Spektrums.

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Das synthetische IGramm bei 532 nm wave

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Dazu die Energie-Verteilung der Point Spread Function

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Die Wellenfront-Deformation

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und schließlich die nach Astigmatismus, Koma und Spherical differenzierten Strehl und PV Ergebnisse.

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Nicht LZOS wäre ein Vorwurf zu machen, sondern dem hand crafted producer, der die Kunst versteht, ein wertvolles Objektiv derart zu "verhunzen".
to foozle sth.

 

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