A087 und Pentax SDHF 75-500

Ein fotografisch voll korrigierter APO - was ist das ?

Manche der deutschen Astro-Händler übertreiben es ja wirklich ein wenig. Ausgehend vom 2. Bild (in jedem Fall
eine gelungene Aufnahme des Pferdekopf-Nebels) regen sich beim Betrachter leise Zweifel, ob diese Werbe-
Aussage so überhaupt stimmt. Ob also die Aussage bei TS: "fotografisch voll korrigierter APO", bei Rudi Reiser
AstroTech"apochromatisch korrigierter und fotografisch optimierter Refraktor" oder bei Baader "fotografisch
korrigierter Vollapochromat" nicht etwas zu vollmundig ausgefallen ist? Ob also etwas, was ohnehin sehr gut
ist, noch mit einem Glorienschein geadelt werden muß, wo es doch einfacher wäre, bei der Wahrheit zu bleiben.
Das Objektiv hat einen vignettierungs-freien Bildfeld-Durchmesser von ca. 44 mm oder 5° Grad Bildwinkel.
Bis zu diesem Durchmesser ist es beim Foucault- und Ronchi-Test gut korrigiert. Siehe hier.

Und die kommt als Firmenschild auf dem fotografisch verwendbaren Refraktor sehr viel bescheidener daher: Soll heißen,
den Aufdruck APO sucht man dort vergebens. Und das aus gutem Grund: Es ist nämlich n u r ein Halb-APO, aber das tut
diesem Refraktor auch keinen Abbruch, wie man über die wirklich beeindruckenden Fotografien auch am Ende diesen
Berichtes erkennen kann. Meßtechnisch läßt sich nämlich sehr gut unterscheiden, was ein APO, Halb-APO, ED-Glas oder
Achromat sei.

@Pentax75SDHF-01.jpg

Aufgefallen war mir das starke Ausbrennen bei den hellen Sternen bzw. das blaue Halo um sie herum, womit meine
Neugier erst einmal geweckt war. Das Teleskop, mit dem diese Aufnahme entstand, ist ohnehin zu mir unterwegs
und in einem zweiten Bericht wird über die Unterschiede zu diesem hier zu berichten sein.

@Pentax75SDHF-02.jpg

Wer mit dem Sterntest intra- und extrafokal vertraut ist, der wird sofort erkennen, ob er hier einen APO oder Halb-APO
vor sich hat. Ein APO dürfte nämlich intrafokal diesen rötlichen Farbsaum bei einem 9 mm Okular in dieser Größe nicht
aufweisen. Das wäre ein erster Hinweis auf die Farbreinheit. Das weiß natürlich die Händler-Gilde auch. Also cre-iert man
kurzerhand einen fotografischen APO, den es gar nicht gibt. Was aber soviel heißt: Ein APO ist es nicht, visuell würde
man das merken, exakt am folgenden Sterntest.

@Pentax75SDHF-03.jpg

Ein weiteres Indiz wäre der Foucault-Test. Mit dieser Vergleichstafel kann man folgende Aufnahme in etwa einordnen. Beim
Foucault-Test schneidet die Klinge das sekundäre Farb-Spektrum etwa in der Mitte ab und verteilt sie links/rechts nach
intra- und extrafokal: In unserem Fall käme Grün, Blau, Gelb auf der rechten Seite zum Vorschein, und Rot, weil viel
weiter hinten auf der linken Seite. Eine derartig starke Abweichung hätte ein Voll-APO nicht. Noch genauer wird die
Sache allerdings, wenn man die Schnittweiten auf 0.001 mm genau ausmessen kann. Bei diesem Refraktor liegt das
Optimum im roten Bereich. Während sich im kürzeren Spektrum die Überkorrektur als Gaußfehler bemerkbar macht. Zu
erkennen über Ronchi 13 lp/mm intrafokal und über den Foucault-Test.

@Pentax75SDHF-04.jpg

Das Foucault-Bild ist über einen Zentrier-Fehler etwas gestört, beim folgenden Bild klar erkennbar, ebenso bei den nachfol
genden Interferogrammen. Dieser Fehler kostet ca. 5% Strehlpunkte.

@Pentax75SDHF-05.jpg

Die Schnittweiten-Differenz kann man auf zweifache Art bestimmen: Entweder man hängt der Back'schen APO-Definition
an, dann sollte die Abweichung bei Rot nur PV L/4 betragen, was hier offenkundig erheblich mehr ist. Oder aber man
fokussiert die Streifen entlang einer geraden Linie, dann kann man mit einer digitalen Meßuhr jeweils den Differenz-
Betrag ermitteln, wie in meinem Fall. Daraus ergibt sich dann, daß Grün, Blau, und Gelb gerade mal 40 µ vonein-
ander entfernt sind, Rot hingegen um den Faktor 4 hinter diesen Farben liegt, und damit den Begriff APO schlicht
kippt. Der Maßstab für solche Überlegungen ist jeweils die Schärfen-Tiefe, also der Bereich (bedingt durch das Airy-
scheibchen und dessen Durchmesser) in dem man das Teleskop nicht schärfer einstellen kann. In unserem Fall
48 µ. "Versaut" wird die Sache tatsächlich über das rote Spektrum mit 158 µ und jetzt stellt sich die Frage, ob man
mehr auf den roten Farbanteil fokussiert oder den grün-blau-gelben. In jedem Fall kommt es aber dann zu diesen
farblichen Auffälligkeiten, die ja Anlaß für diese Vermessung waren.

@Pentax75SDHF-06.jpg

In diesem Interferogramm steckt der Coma-Zentrierfehler, etwas Überkorrektur und etwas Astigmatismus. Die grünen Streifen
zeigen die Ideal-Map an.

@Pentax75SDHF-07.jpg

Dominierender Fehler mit ca. 5% wäre als die Coma, wie auf dem Report zu sehen. Und läßt sich möglicherweise beheben.

@Pentax75SDHF-08.jpg

Zieht man auch noch den Astigmatismus ab, dann kämen für Gelb stattliche 0.994 heraus, das könnte ein Fassungs-Problem
sein.

@Pentax75SDHF-09.jpg

Unabhängig davon hat man mit dem Pentax 75 SDHF für die Fotografie ein wunderbares Teil. Nur visuell ist es ganz
bestimmt kein APO. Und da sollten die Händler nicht mehr erzählen, als ohnehin der Hersteller-Aufdruck verrät.

m31_andromeda5g_10122006to_vss2006.jpg

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Etwas schwammig erscheint mir dieser Test, bei dem nicht klar ist, welche Farbabweichung gemeint ist. Eigentlich bietet
sich nur das Sekundäre Spektrum eines Refraktors an, weil auch dieser Test auf der Achse stattfindet. Bezieht man nun,
wie vorgeschlagen, das Fernrohr inclusive Okular in Autokollimation (also im doppelten Durchgang) in die Messung ein,
dann hätte man in jedem Fall auch noch die Abweichung des Okulars selbst, und damit wird die Aussage über den
Refraktor-Typ alleingenommen bereits unscharf. Ein solches Spektrum bekommt man auch, wenn man den Prismensatz
ohne Okular in den Strahlengang setzt, interessanterweise besser auseinandergezogen. Verwendet man statt der Pinhole
einen kleinen Spalt, dann wird das spektrale "Band" etwas breiter und man kann eventuell mehr erkennen.
Geeicht könnte das Spektrum an einem Kugelspiegel werden. Man hätte dann ziemlich exakt das Spektrum seiner Licht-
quelle. Denn davon geht dieser Test eigentlich aus. Und das muß zunächst erst einmal klar sein. Letzter Streifen auf dem
Bild. Darüber liegt nun der spektrale Streifen vom Pentax 75 SDHF. Nun hätte man zwar Abweichungen im Gelb-Grünen-
Bereich. Nur wie lassen sich diese Unterschiede denn sinnvoll quantifizieren? Lassen sich Schnittweiten-Differenzen
erkennen, wie beim Sterntest, beim Foucaulttest oder beim Interferometer-Test? Es sind zwar schöne farbige Bilder mit
ausgesprochen geringem Informations-Wert. Vielleicht erklärt sich der gute GRZY einmal etwas genauer zu seinem Test.

@Pentax75SDHF-10.jpg

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Hallo Markus,

in diesem Fall bzw. bei diesem Bild hätte man so etwas wie Vignettierung. Der Felddurchmesser ergäbe sich über den
Abstand der Klingen außen mit gesamt 40 mm Durchmesser und dann hätte man das arithmetische Mittel aus den beiden
Teilflächen links und rechts in Beziehung zum Vollkreis zu setzen und hätte damit in Prozent u n g e f ä h r die Vignettierung.

Wieviel Vignettierung tolerabel ist, wäre dann eine andere Diskussion. Es gibt aber Fälle (beispielsweise unserer RC-ähnlichen
AstroKamera mit zwei Hyperbeln) Wo die Vignettierung genau die Lichtstrahlen abschirmt, die das Spotergebnis ver-
schlechtern würden. Da muß natürlich beim jeweiligen System geprüft werden, wie sich Vignettierung auswirkt, also
nicht nur negativ durch Abnehmen der Bildhelligkeit, sondern auch positiv durch bessere Auflösung-

Megrez72FD_43.jpg

Siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Vignettierung

Vignettierung.jpg

 

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