H039 2004 ITT Wenn der Nebel den Berg ...

Wenn der Nebel den Berg erklimmt...
beim Pressetermin auf dem ITT 2004

Mächtig aufs Gemüt drückte auf der Emberger Alm in diesem Jahr der Nebel. Ob-
wohl ich erst am Freitag nachmittag nach 7 Stunden Fahrt alle Staus und die 600
km "abgearbeitet" hatte, fuhr ich von einem herrlichen Hebsttag in Bayern allmäh-
lich in eine wolkenverhangene Landschaft in Kärnten und schließlich zur Nebel-
Suppe auf die Emberger Alm. Entsprechend angekratzt traf ich dort die ausge-
hungerten Sternfreunde, obwohl ich eigentlich dachte, erholt durchschnaufen zu
können. Aus beruflich und ITT-terminlichen Gründen dürfte ich eigentlich gar nicht
nach Kärnten fahren, weil es immer wieder nur eine Stipvisite ist, mit dem Ziel,
den Sternfreunden als Freundschaftsdienst ihre Fernrohre zu vermessen und in
kurzer Zeit soviel Eindrücke einzufangen, daß es für einen Bericht in SuW, Inter-
stellarum oder einfach nur auf den mir zu-sprechenden Foren reicht. So nutze ich
mittlerweile die Nacht auf Sonntag zur Heimfahrt, damit ich den Stau um Münchens
neues Stadion in der Zeit von 24:00 Uhr einfach vermeide. Zwar sehr kurz alles,
aber leider nicht anders zu lösen - ich beneide alle Rentner und die, die Urlaub
haben im September. Nachdem in dieser kurzen Zeit nicht alle Informationen zu
kriegen waren, werde ich den Bericht wieder nachträglich erweitern, redigieren,
überarbeiten: Das belebt ungemein, wie ich aus manchen Reaktionen immer
wieder erfahren kann.

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So herrlich malerisch kann es auf der Emberger Alm sein, wenn, - ja wenn nicht
gerade der Nebel den Berg herauf-schnaufen würde, und Minuten später die Alm
in eine "Ursuppe" verwandeln würde.

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Dann sieht man gerade noch die Hand vorm Gesicht, und tastet sich akustisch
durch die Bergwelt.

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Der Nebel drückt mächtig aufs Gemüt auch bei Matthias Wirth, der sich ebenfalls
in der Astro-Branche einen Namen gemacht hat.

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Das Prinzip eines Michelson-Interferometers veranschaulichte Raphael Bugiel bei
einem Vortrag und stellte damit zugleich seine Firma "Optik-Praxis" vor. Nach
einer Lehre als Fein-Optiker bei der Firma Heidenhein wird er die nächsten Jahre
studienhalber bei Zeiss in Jena verbringen. Der Michelson-Interferometer spielte ja
bei der "Äther"-Nachweis-Diskussion eine große Rolle.

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Alois gewissermaßen der opt. Ziehvater von Raphael, den ich noch öfter vor die
"Flinte" bekam.

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Den Sonnenschein der Astro-Szene, Philip Noack, traf ich ebenfalls auf der Emberger
Alm. Philip wechselte der Liebe wegen in die Single-Stadt München, und ist seit
1. Oktober 2004 beim Teleskop-Service in Lohn und Brot. Sehr stark erinnern mich
die Rot-Töne an das Trainings-Camp in Monza und an den Formel-Eins-Weltmeister,
wie heißt er doch noch? Lediglich die Frisur ist ein wenig anders.

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Bekannt wie ein bunter Hund (Orginal-Zitat von Wolfi Ransburg) erkennt man ihn
auch von hinten, an der Stimme und überall dort, wo viele Leut um einen herum-
stehen. Er hätte auch gut in die Unterhaltung-Branche gepaßt, z.B. zur Bully-
Parade. (Ich war nämlich nicht der Erste, der ihm das erzählt hat.)

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So sah man ihn, 2. von links, meistens: Als mit mindestens 2-4 Fernrohren und
einer Montierung, irgendwie, irgendwo unter beide Arme geklemmt, meistens
noch in irgendwelche Gespräche vertieft, und natürlich unterwegs ... die Emberg
Alm ist groß ! Mit Alois hatte er vorher auf der Terasse eine langausgedehnte
Casting-Session in jeder nur erdenklichen Pose, die man aus dem Inneren der
Alm genußvoll in Augenschein nehmen konnte: Mit Takahashi, ohne Okular, mit
E-Ku-6, ohne Taukappe ...
Links noch einmal Philip Noack, der auch dann noch strahlte, wenn dichter Nebel
aufs Gemüt drückte.

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Die Nacht auf Samstag war traumhaft zwischen 23:00 Uhr und 04:00 Uhr. Martin
hatte nicht nur seinen 20-Zöller dabei, es ist auch noch ein Spitzen-Dobson, was
bei ihm keinen verwundert. Hingebungsvoll studierte ich allein den Hantel-Nebel,
der bei meinem Himmel daheim nur ein schwacher Abglanz dessen ist, was man
bei ca. 180-facher Vergrößerung ohne Filter in diesem 20-Zöller erleben konnte.
Für mich eines der Highlights in diesem Jahr.

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Ein überreiches Angebot, das Markus Ludes jedesmal vorstellt. Bildlich gesprochen
läuft mir regelmäßig das Wasser im Munde zusammen, und nicht nur mir. Obwohl
ich kein Sonnenfan bin, hatte Markus ein paar richtig überzeugende Sonnen-Teles-
kope dabei, die ich - vom Preis einmal abgesehen - sofort mitgenommen hätte.
Leider kann man den Euro immer nur einmal ausgeben.

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Noch schnell einen Blick riskiert durch den Flying Dobson von Ernst Schöberl,
bei dem nur die Optik selbst aus Glas ist, auch der Stuhl aus diesem ultraleichten
Kohlenfaserstoff und einem perfekten 10-Zoll Spiegel f/4.5 von Meade, vor langer
Zeit von mir dafür herausgesucht. Bei dieser Beobachtung stand die Sonne derart
günstig, daß der Fokus trotz starker Koma in meine dunkle Hose fast ein Loch
gebrannt hätte: Man sieht die helle Brennlinie auf dem rechten Oberschenkel. Es
fing schon an zu "qualmen".

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Ernst Schöberl erklärt gerade seinem Golden Redriver die Feinheiten der Azimutal-
Lagerung seiner ultra-leicht-Bauweise.

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Das Trio vor Alois Tak mit 90 mm Coronado-Sonnenfilter mit dem sehr plastische
und kontrastreiche Beobachtungen der Sonnenoberfläche möglich sind. Konnten
wir ausgiebig studieren, nachdem uns Alois vorher schwarz verschleierte, aber
nicht mit einer Burka. Links der Journalist in volle Körperfülle, mittig der Ernst ohne
Verhüllung und rechts wieder Alois Ortner, dem das edle und teure Gerät gehört.

Ein ganz besonderer Dobson

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Mindestens ein Dobson zog die Aufmerksamkeit der Sternfreunde auf sich: Mit
zwei Gewindestangen M6 hatte es Martin Cibulski erreicht, aus seinem Dobson
zu einem Goto-Teleskop umzustricken. Siehe auch: http://www.martin-cibulski.de/atm/
Mit Erlaubnis von Martin benutze ich einige Bilder seiner Website.

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Das Prinzip ist einfach: Er schnitt ebenfalls mit einer Gewindestange auf den um-
laufenden Rand zweier ca. 8 mm dicken Alu-Scheiben eine Verzahnung in der Art
eines Schneckenrades, das dann später mit der elektronisch gesteuerten Schnecke,
eben diese Gewindestange, positioniert wird. Da M6 eine Steigung von 1 mm hat,
scheint bei aller mechanischen Unzulänglichkeit die Positionier-Genauigkeit aus-
reichend zu sein. Über die üblichen zwei Justiersterne wird das System am Anfang
"geeicht" und dann fährt es die jeweilige Positon genau genug an.

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Hier die beiden Schrittmotor-gesteuerten Achsen

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Hier an der Azimut-Achse ebenfalls eine Aluscheibe

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Jetzt die Rückseite der Rockerbox unten

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Die Einheit nun zusammengesteckt

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Auch die Elevations-Achse, auch hier die Aluscheibe, siehe Bild weiter oben

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Und von besonderem Interesse ist auch die Fangspiegel-Befestigung mit Spinne.
Ein Problem, für das es die unterschiedlichsten Lösungen gibt. Was dieser Dobson
optisch leistet, habe ich im Nebel weiter nicht untersuchen können.

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Trotz beschränkter Zeit war noch jedes Teleskop-Treffen auf der Emberger Alm
ein nachhaltiges und bereicherndes Erlebnis. Dieses Bild zeigt abschließend,
auf welch unterschiedliche Weise die Emberger Alm auf die Astro-Seele einwirken
kann, hier in einer überwältigenden Weise, Minuten später durch eine Nebelsuppe.