H009 2011 TS_TdoT 16April- Andis Fernröhrle - in der Praxis

Andis Fernröhrle - in der Praxis               

Andis Fernröhrle ist in Wahrheit eine Sonnen-Kanone und entspricht damit ähnlichen Demensionen, wenn man den Erddurchmesser mit dem
109x größeren Durchmesser der ca. 150 Millionen km entfernten Sonnen vergleicht. Die Erde würde ca. eine Million mal in die Sonne passen
und hinsichtlich Masse wäre die Sonne immer noch 330 000 mal größer. Dieses Fernröhrle überragte am Tag der offenen Tür in Solalinden bei
Teleskop Service alles, was an Fernrohr dort kreucht und fleucht. Also mithin bombastisch. Gefertigt wurde die BK7 Einzellinse in Tschechien,
und diese Linse ist ein schönes Beispiel, wie Theorie und Praxis sich gut miteinander vertragen können, wenn man mit den Füßen auf dem
Boden bleibt.

Selbst im Vordergrund seiner Sonnen-Kanone wäre Andi noch zu klein, weshalb ich ihn etwas größer eingeblendet habe. Nicht schlecht wäre, wenn Andi
hier einmal den technischen Aufbau darstellen würde.

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Selbst Wolfi konnte sich dem Zauber an der Sonnen-Kanone nur schwer entziehen, obwohl er an diesem Tag bei Kaiser-Wetter seine Firma beeindruckend
vorstellte. Eine gewaltige Entwicklung in ca. 10 Jahren - ich kenne noch die ersten Anfänge im alten Postamt in der Rübezahl Straße, da warens grad mal
drei Mitarbeiter.

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Dieses Foto habe ich hier "geklaut" und Andi hat sich in der Zwischenzeit eine weibliche Sonne an Land gezogen, wie man auf dem SW-Orginal-Foto entnehmen kann.
Im Fernröhrle war das Bild hingegen H-alpha Rot, weshalb ich das urprünglich schwarz-weiße Foto Rot eingefärbt habe, damit man sich den visuellen Eindruck
vorstellen kann.

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Die Sonnenbeobachtung funktioniert sehr gut mit einer gut retouchierten Einzel-Linse und dabei stellt sich immer wieder die Frage: Wieviel Strehl braucht die
fotografische bzw. visuelle Beobachtung. Speziell bei den GSO RC Systemen wird diese Frage immer wieder gestellt und kann einen Strehl-Fetischisten ganz
schön ins Schleudern bringen, besonders wenn er nicht weiß, ob er mit einem SC-, RC- oder Maksutov-System visuell oder fotografisch arbeiten will. Das sollte
man dann sehr sorgfältig überdenken, bevor man zu streiten anhebt.

Das also ist die in Tschechien gefertigte Einzellinse, pfiffigerweise in den Ring einer 10" Newton-Spiegel-Zelle untergebracht, mit der Konvex-Seite
zur Sonne. Diese Kombination war vorher nicht geplant - paßt aber vorzüglich. Aus Kostengründen hat Andi zwei Hartpapier-Rohre mittig zusammen-
gefügt, der Borken-Käfer hat sich über das baumstamm-ähnliche Aussehen auch schon hergemacht, wenn ich den seitlichen "Freß-Kanal" richtig
gedeutet habe. (Siehe nochmals Bild 2)

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Dem Interferogramm im H-alpha-Licht sieht man die Unterkorrektur an. Was die thermische Bewegung der Linse bewirkt, habe ich nicht untersucht.
Jedenfalls wird der Strehl nicht ganz die Obergrenze erreichen und die Strehl-fixierten werden sich der Frage verschließen: Was bewirkt die Unter-
korrektur bei Fotografie und Beobachtung. (Im Umfeld der Linse, bsonders im Tubus-Inneren könnte es sehr heiß werden, sodaß erhebliche
Temperaturunterschiede zwischen Innen und Außen die Linse beeinflussen und damit auch die Korrektur beeinflussen.)

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Bei Astigmatismus in der Gegend von PV L/4 der Wellenfront wird man im Fokus bei normaler Vergrößerung am Himmel kaum etwas davon
erkennen, im Labor kann man das kleine Kreuz im Fokus gut zeigen. Bei Über- oder Unterkorrektur verschiebt sich, wie bei obstruierten
Systemen immer, ein Teil der Lichtenergie wegen der Beugung in die Beugungs-Ringe und "bläst" den Sternscheibchen-Durchmesser
ein klein wenig (im übrigen berechenbar) auf. Und weil die wenigstens Astro-Fotografen dies unter dem Mikroskop ausmessen, wie wir
das früher schon immer mal gemacht haben, wird das der landläufige Astro-Fotograf erst einmal nicht merken. Visuell merkt man es auch
nur bei perfektem Seeing und einem zweiten perfekten Vergleichs-Gerät. Aus diesem Grund habe ich bei meinem C11 eine leichte Über-
korrektur in Kauf genommen zugunsten eines "glatten" Systems. Daß glatte Spiegel einen besseren Kontrast abliefern kann man an
Intes, Zambuto oder Alluna-Spiegeln gut studieren. Man muß es also nicht theoretisch zu widerlegen versuchen !!!

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An der 3D-Energie-Verteilung, Point Spread Function genannt, erkennt man ein geringeres Maximum und einen etwas vergrößerten
1. Beugungsring und es stellt sich die Frage, wieviel Strahl-Punkte "kassiert" die sphärische Aberration (Unterkorrektur) und wie
wirkt sich das in der Praxis aus. Natürlich sieht man den Unterschied zwischen Strehl = 0.999 und der Unterkorrektur, die den
Strehl auf 0.875 "herunter-zieht". So gerinnt diese Frage zur Glaubens-Frage für Knie-Bohrer und denen, die sich dazu zählen wollen.

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Im Gesamtergebnis kommt noch ein wenig Astigmatismus und Koma hinzu, darüber brauchen wir uns im Angesicht der oberen Fotografie
kaum streiten.

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Derweil zogen sich Alois und ich in die trubel-freien Bereiches der TS-Testabteilung zurück, die diesmal von Alois bestritten worden war zum Fachsimpeln -
man möge uns verzeihen. Und es ging, soviel sei verraten, um die geeignete Laserlichtquelle beim Twyman-Green Interferometer, die ganz heftig den
Kontrast der IGramme beeinflußt. Die Gerätschaften von Alois kenne ich mindestens schon seit 10 Jahren. Jeder von uns hat sein eigenes System.

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An einem solchen Tag trifft man auch alte Bekannte - den Thomas nämlich - wieder, nachdem er mir tags zuvor seine Aufwartung gemacht hatte.

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Solche Massen-Aufnahmen sind wiederkehrend und deswegen ohne größeren Informations-Wert.

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Dieses RC-System bekommt man von unterschiedlichen Herstellern: http://www.alluna-optics.de/produkte-ritchey-chretien-teleskope.html
und wird mindestens von zwei großen Händlern in Bayern angeboten. Dieses RC-System unterscheidet sich weniger im Äußeren, schon eher in wichtigen Feinheiten.
Am Alluna-System war ich ein klein wenig beteiligt.

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Wolf-Peter Hartmann schleicht sich verdächtig oft um diverse Teleskope herum - vielleicht sucht er was passendes für Namibia.

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. . . und um die Fürsorge-Pflicht von TS auch hier zu unterstützen, das folgende äußerst wichtige Merkblatt:

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Kommentare   

# wolfgang 2014-07-03 09:41
Im Auftrag von Wolfi Ransburg darf ich noch folgenden Dank hier einstellen:

Hi Wolfi, ich bitte Dich kurz in meinem Namen das einzutragen:

Liebe Sternfreunde,

herzlichen Dank für Eure Teilnahme bei unserem Tag der offenen Tür. Auch für uns, als Veranstalter, war das eine schöne Aktion
und es hat uns viel Spaß gemacht. 100% werden wir kommendes Jahr die Veranstaltung wieder machen und uns ev. noch etwas
einfallen lassen. Durch die Bank haben wir stark ansteigendes Interesse an der Astrofotografie beobachten können. Vielleicht fällt
uns ja in dieser Richtung was ein.
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