F022 Gaußfehler gegen Farblängsfehler Zeiss APQ

Hallo Richard,                      

spinnen wir mal den Faden weiter: http://www.astro-foren.de/showthread.php?p=39557#post39557
Hier ging es um ein überarbeitetes Zeiss APQ #011 und um den Einfluß des Glasweges, der aus einem
"schlechten" APO einen Super-APO macht, weil 50 mm Glasweg die Situation völlig verändern können.
Die Frage ist jedoch jeweils, wie man das sowohl grafisch anschaulich darstellt, als auch rechnerisch
zu einer Art IndexZahl führt, in der integrativ der Gaußfehler und der Farblängsfehler ausgedrückt wird.
Wobei der Kugelspiegel das Ideal darstellt, weil weder Farblängsfehler noch Gaußfehler vorhanden sind.
Man kann - so meine Überlegung - ein farbiges Weißlicht-Interferogramm in die RGB-Farben zerlegen
und bekommt somit die Information für Blau, Grün als Hauptfarbe und Rot mit der typischen Verformung
des jeweils mittleren Streifens: Grün nahezu linear und gerade, Blau mit Zeichen der Überkorrektur und
Rot jeweils unterkorrigiert. Das wäre der Gaußfehler selbst.

Dar Farblängsfehler als zweites Kriterium drückt sich hingegen im Abkippen der Streifen hin zum Rand aus:
Ein Abkippen nach oben steht für kürzere Schnittweite, nach unten für längere Schnittweite. Legt man
in beiden Fällen (mit und ohne Glasweg) die blau-grün-roten Streifen übereinander, wie sie ja im Farb-
IGramm übereinander-liegen, dann ergibt sich über den methodischen Umweg ein deutlich differenziertes
Bild zwischen beiden Zuständen ein und desselben Objektivs.

Damit hätte man ein recht anschauliches Unterscheidungs-Kriterium auch zwischen ähnlich farbreinen
APOs, das gleichermaßen Gauß- wie Farblängsfehler zeigt. Und daraus sollte sich aber dann auch eine
integrative Indexzahl für die beiden Fehler errechnen lassen. Bislang stützt sich meine Unterscheidung nur
auf den Farblängsfehler. Damit hätte man auch den Gauß-Fehler noch dabei und vor allem auch noch die
Forderung der gleichen Fokus-Lage- in der Regel für Grün.

Während bei der Glasweg-Variante der Gaußfehler stärker dominiert, besonders bei Rot die Unter-
korrektur stünde ohne Glasweg die farbliche Längsaberration mehr im Vordergrund, was eigentlich
für die interferometrischen Vermessung des Farblängsfehlers spricht. Rechnet man die größere
Streifen-Anzahl beim unteren IGramm mit ein, wird der Unterschied noch augenfälliger.

SecSpektr05.jpg

SecSpektr06.jpg

SecSpektr07.jpg

Der Grund für die Überarbeitung bzw. Korrekur der Linsen-Abstände ist eine Überkorrektur, die sich im Laufe
von ca. 70 Jahren infolge von Schrumpfung der Abstandsplättchen einstellte (wenige Micron). Daher ist den
Interferogrammen ein flaches "M" überlagert. Wenn dieser Fehler behoben ist, erkennt man eine Farbreihheit,
die dem Kugelspiegel sehr nahe kommt. Hier stößt man auch an die Nachweis-Grenze.

SecSpektr08.jpg

Als vorläufiges Fazit läßt sich festhalten, daß man mit dem Farb-Interferogramm eine sehr schnelle
Zuordnung zum Thema Farbreinheit bekommt - immer im Vergleich zum Kugelspiegel.


Apochromate der neuen Generation , - Daten zum Interstellarum-Bericht
Takahashi Super APO TSA 102/816 - TMB Design APO 115/805 - William Optics Fluoro Star APO Triplett
APO-Vergleich Teil II, Daten zum Interstellarum-Bericht

Auch dieser APO-Test erscheint nachträglich noch einmal in einem ganz anderen Licht:

Beim Tak wäre der Gaußfehler am kleinsten, der Farblängsfehler jedoch nicht. Und das ist der Grund
für die RC_Indexzahl, die sich am Farblängsfehler orientiert, nicht am Gaußfehler. Zurückgerechnet
um den Faktor 0.83 wurde hier der größere Streifenabstand auf den kleineren Abstand der unteren.
Der RC_Index-Wert beim zweiten TMB design APO #283 ist deswegen so klein, weil die Gaußfehler-
Abweichung zwar in etwa dem vom ersten Takahashi entspricht. Die Schnittweiten für die Spektralfarben
ist jedoch sehr klein ist, was zu dieser sehr kleinen RC_Indexzahl von 0.1121 führt. Hier hat der Gauß-
fehler die stärkere Abweichung.
Der William fällt in mehrerlei Hinsicht aus dem Schema heraus: Der immer wiederkehrende Schönheits-
fehler bei diesem Hersteller ist die Überkorrektur, mal mehr mal weniger. Wäre dieser Fehler behoben,
würde diese Optik als äußerst farbrein abschneiden und man käme für dieses Objektiv auf Zeiss-B-Werte.
Nicht zu vergessen, daß TMB und William TMB eigens für diesen Test vom Versender herausgesucht waren,
besonders wenn man im Nachhinein diese Erfahrungen mit William Optiken macht:

William FluoroStar FLT 132 Vergleich mit Equinox Nr. 1
Three William FLT 132 strongly overcorrected Nr. 2 und Nr. 3
William Fluoro Star FLT 110 / 770 überkorrigiert


SecSpektr09.jpg


Zum Vergleich nochmals die Situation am Kugelspiegel:

WLIGramm0.jpg

und zur Darstellung der spherochromatischen Aberration am APQ # 011
folgende Übersicht:

Chromatische Aberration: APQ 105/800 ohne Glasweg

A6Equinox_09.jpg

Chromatische Aberration: APQ 105/800 mit Glasweg

A6Equinox_10.jpg


Und zur Ergänzung:

WLIGramm7.jpg