D021-02 Kriterien beim Kauf von SC-Systemen

 

dieser Bericht hat eine kleine Vorgeschichte:

vor einiger Zeit hatte sich einer - ich nenne keinen Namen - ein vermeintliches C11

Schnäppchen an Land gezogen. Es war in einem großen Forum angeboten worden.
Richtig stolz war er, der Astro-Freund. Sicherheits-halber kam er trotzdem zu mir . . .

Also kam er, und zog kurze Zeit später zerknirscht wieder nach Hause: So gut war
das Schnäppchen offenbar doch nicht - der Eingangs-Test zeigte bereits die Beschehrung.

Schnell verkaufte er das Schnäppchen wieder nach dem Motto, soll doch ein anderer
unglücklich werden mit dem "Schrott". Naßforsch zog dieser Zeitgenosse erneut los,
kontaktierte einen Astro-Händler und verlangte ein ausgesuchtes C11, das er auch kriegte.

Mit diesem C11 tauchte er nun bei mir auf, um sich die opt. Unbedenklichkeits-
Bescheinigung einzuholen: Tatsächlich ein optisch einwandfreies C11, ähnlich gut wie
mein eigenes C11. Soweit der einfache Sachverhalt und die höchst hemdsärmelige
Begleit-Musik, die einen Normalbürger ins Grübeln bringen bzw. die man von bestimmten
Foren her kennt.

Am Himmel sei das C11 topp, gestand er mir in einem Telefon-Anruf später. Aber . . .

Aber: Da sei auf dem Hauptspiegel ein Belag, da sei gewischt worden, das C11 sei gar nicht
neu, sondern aus einem gebrauchten Hauptspiegel und einer neuen Schmidtplatte
zusammengesetzt, und außerdem hätte die Hauptspiegel-Zelle außen Gebrauchs-Spuren
und was für eine Frechheit es sei, ihm sowas zu verkaufen und er nahm seine Knipse,
und fotografierte beherzt zur Schmidtplatte hinein ohne Rücksicht, wohin die vermeintliche
Auffälligkeit eigentlich zuzuordnen sei: (Ob das optisch überhaupt möglich ist, ob man
die Bauteile einer SC-Optik austauschen oder kombinieren kann, focht ihn nicht an.)
Also eine Kaskade unbewiesener Behauptungen.

Wann ich das denn reparieren könne, war seine Frage und verlangte nach einem kurzfristigen
Termin. Daß ich mir mindestens 3-4 Wochen ausbedungen hatte, weil ich dem Sachverhalt
gründlich nachgehen möchte, schmeckte ihm nun gar nicht. So wollte er zwei Tage
später mit C11 wieder bei mir auftauchen.

Wie man schon richtig vermutet, tauchte er nicht auf, auch keine Mitteilung, daß er den
Termin sausen läßt im Email-Zeitalter. (in einem Reklamations-Fall zwischen Kunde und
Händler pflege ich ganz genau hinzuschauen, da ich ja als "Sachverständiger" gefordert bin.)

Die ganze unerfreuliche Begleitmusik, die manche Zeitgenossen offenbar absondern müssen,
muß ich nun nicht ausbreiten, aber sie führt bei den Betroffenen zu Stürmen der Begeisterung
mit der Rückwirkung auf diesen Kunden - der soweit gar nicht denkt, ist er doch sehr von
sich überzeugt. Naßforsch halt !

Dieser und andere ähnlichen Fälle haben mich bewogen, den folgenden kleinen Beitrag zu schreiben:

 


Das System

die von Celestron und Meade produzierten Schmidt-Cassegrain-Systeme, sind die Kombination eines Cassegrain-Systems mit sphärischem Hauptspiegel und asphärischem
Sekundär-Spiegel, der von einer Schmidtplatte gehalten wird, die aus Kostengründen aus Floatglas besteht und eine Art opt. Fenster darstellt. Der große Vorteil dieser
Systeme ist die kurze Bauweise, beim C11 ca. 60 cm Baulänge, D=280 und F=2800, also ein F10 System. Der Nachteil ist die relativ große Obstruktion, über die ein Teil
der Lichtenergie in die Beugungsringe verlagert wird. SC-Systeme sind Kompromiß-Systeme und deshalb für höchste Ansprüche eher ungeeignet. Ein farbreiner LZOS APO
oder der TOA 150 hätte in jedem Fall eine bessere Auflösung, auch im Zusammenhang mit einem Flattner oder Reducer. Preislich sind diese Systeme sehr günstig, aber die
Bandbreite der Qualität ist ebenfalls eher breit gestreut. Ihr Optimum haben diese Systeme zwischen dem gelben und roten Spektrum, ganz selten im grünen Spektral-Bereich.
SC-Systeme sollte man immer senkrecht lagern und möglichst exakt zentrieren. Wer sich ein möglichst gutes C11 wünscht, sollte sich vor dem Kauf vergewissern, ob das
Gerät vor dem Kauf vor allem optisch in Ordnung ist, das bezieht sich vor allem auf den Astigmatismus, den solche schlechteren Sc-Systeme haben können.

Bei der opt. Qualität muß man deutlich unterscheiden, ob man das SC unter visuellen Gesichtspunkten beurteilen möchte oder aber unter fotografischen:

Vor dem Kauf

D024 - Kap 04 Vergleich von SC-Systemen über Foucault- und Lyot-Test

Bevor man sich für ein SC-System entscheidet, muß man wissen, wo der eigene Schwerpunkt der Beobachtung bzw. Fotografie liegt. Da es ein Kompormiß-Gerät ist,
wird es höchste Ansprüche für einen Spezial-Bereich kaum erfüllen können. Hier entscheidet das Preis-Leistung-Verhältnis, was man erwarten kann oder nicht.
Auch eine gelungene Planeten-Fotografie mit einem ausgesuchten SC ist noch kein Beweis dafür, daß Ihr Gerät die gleiche Qualität hätte. 

Schenken Sie weder einem Händler noch mehr einem Privat-Verkäufer oder ebay allzu viel Vertrauen, beide wollen verkaufen und können oft selbst nicht ein-
schätzen, was  ein solches System eigentlich leisten kann oder auch nicht. Wenn Sie nach dem Kauf hingegen ein Gerät reklamieren wollen, dann sollten die Mängel
nicht erfunden sein und eindeutig beweisbar sein. Ein Foto muß nicht immer ein Beweis sein, besonders wenn vermeintliche Auffälligkeiten nicht eindeutig zuzu-
ordnen sind. Es ist wie bei einem Gebrauchtwagen. Vor ein paar Wochen hatte ich diesen Fall: Auch hier riet ich dem Sternfreund, das System wieder zurück zu
geben. Die Versprechungen des Verkäufers entsprachen in keiner Weise der opt. Realität.

Das am gestrigen Dienstag 16.09.2014 untersuchte C11 war ein ausgesuchtes Teleskop. Trotzdem hatte es den üblichenausgeprägten farbabhängigen Öffnungs-
fehler (Gaußfehler). Dieser Sachverhalt erzeugt im blauen Spektrum eine deutliche Überkorrektur und ist erst im gelben bis roten Spektrum perfekt. Der Strehl-
wert bei blauen oder grünen IGrammen ist demzufolge immer niedriger, und erst mit einem roten IGramm bekommt man einen hohen Strehlwert. Weil viele
Teleskop-Besitzer so Strehl-fixiert sind, ist ihnen dieser Sachverhalt nur sehr zäh nahezubringen, sodaß man gut daran tut, ihnen das SC-System in dem Spektral-
Bereich zu vermessen, in dem der Öffnungsfehler nahe Null ist, was dann einen hohen Strehlwert bedeutet, wenn nicht der "böse" Astigmatismus den Strehlwert
massiv ruiniert. Die folgende Übersicht zeigt den Gaußfehler am Beispiel des unlängst überprüften C11.

Woher kommt der Astigmatismus

Da SC-Systeme üblicherweise einen sphärischen Hauptspiegel haben, muß dieser nicht zentriert werden, was man daran erkennt, daß SC-Systeme für den Hauptspiegel
keine Zentriermöglichkeit haben. Wenn aber ein solches System trotzdem Astigmatismus hat, dann käme a) die HS-Lagerung b) die Sekundärspiegel-Lagerung oder
c) die Schmidtplatte bzw. -Lagerung in Frage. Die Hauptspiegel-Lagerung ist fast immer in Ordnung - [wenn nicht ein übereifriger, mutiger Sternfreund das System
zerlegt hatte und hernach den Hauptspiegel "fachmännisch" wieder eingebaut hätte.] 
Sehr viel kritischer ist die Lagerung des Sekundär-Spiegels, besonders wenn der Glaskörper ganzflächig auf die ALU-Scheibe geklebt worden war. Siehe deshalb hier:
http://r2.astro-foren.com/index.php/de/12-beitraege/04-zweispiegel-systeme-astrofotografie/525-d048a-reparatur-eines-c11-280-2800-nr-956936
Das folgende Bild zeigt zwei Beispiele: Der gleiche Sternfreund kaufte zunächst über ein Forum ein C11, das er aber ganz schnell wieder abstößt, als er merkte,
daß er sich eine "Gurke" an Land gezogen hatte. Diese C11 hatte noch andere massive Fehler. Im zweiten Anlauf hatte er nun von TS ein ausgesuchtes C11. Nun zeigt
bereits der Test am künstlichen Sternhimmel bei 1555-facher Vergrößerung, daß er aus der Bandbreite von C11's ein gutes Gerät ergattert hatte. Eigentlich sollte man
Qualität und Preis ins Verhältnis setzen. Ausgesuchte und gute SC-Systeme sollten qualitätsbezogen einfach mehr kosten.

 http://rohr.aiax.de/@C14_Vergleich.png

Vergleich der Flächen-Qualität

Die Schmidtplatte ist aus Kostengründen aus Floatglas. Deren unbearbeitete Seite hat sehr oft noch die Fließ-Struktur, was man über die Standard-Tests wunderbar
nachweisen kann. Dies stört aber recht empfindlich den Kontrast bei der Abbildung. So einen ähnlichen Einfluß hat aber auch die Retouche am Sekundär-Spiegel,
und genau dieser Sachverhalt muß ebenfalls vor dem Kauf untersucht werden, weil er über den Strehlwert nicht ausgedrückt werden kann. Ein eventueller Rest-
Astigmatismus der Schmidtplatte hat keinen meßbaren Einfluß auf den Strehlwert.

Auskleiden mit Velour-Folie

Immer wieder trifft man auf SC-Systeme, die völlig überflüssigerweise mit schwarzer Velour-Folie ausgekleidet worden waren. Weil eine solche Folie über die Jahre
schrumpft, entstehen an der ursprünglichen Naht breite Schlitze. Damit greift man in ein optisches System ein, das man überhaupt nicht verstanden hat. Im
schlimmsten Fall ist damit ein System unwiederbringlich ruiniert und aus einem ordentlichen C08 ist eine "Gurke" geworden. Beim Kauf sollte man auf solche Details
achten.

Wer bei einer Sonnen-Finsternis ein C08 ungeschützt einsetzt, darf sich nicht wundern, wenn der Fangspiegel über den Hauptspiegel ein Vielfaches an Sonnen-Energie
abbekommt, die dann bedauerliche Weise kleine Löcher in die Beschichtung brennt - ein optisches Sieb, aber völlig nutzlos.


http://r2.astro-foren.com/index.php/de/12-beitraege/04-zweispiegel-systeme-astrofotografie/70-kap-04-vergleich-von-sc-systemen-ueber-foucault-und-lyot-test

Weitere Berichte hier unter SC-Systemehttp://r2.astro-foren.com/index.php/de/berichte/04-zweispiegel-systeme-astrofotografie

 

Kommentare   

# wolfgang 2014-09-26 08:32
Hier die Test-Ergebnisse des "beanstandeten" C11. Man vergleiche auch
mit der Sammlung anderer C11's http://r2.astro-foren.com/index.php/de/12-beitraege/04-zweispiegel-systeme-astrofotografie/70-kap-04-vergleich-von-sc-systemen-ueber-foucault-und-lyot-test

Link: http://rohr.aiax.de/C11Sept2014.jpg
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