D088 Bino-Zentrierung

Bino-Zentrierung - so könnte es gehen

Bei diesem Thema wären eigentlich die Augen-Optiker gefragt. Bei der Bino-Zentrierung stellt sich die Frage, ob es für unsere Augen bei einem
Binokular-Ansatz besser ist, wenn die beiden Achsen ein klein wenig konisch sind, also etwa so verlaufen, wie das entspannte Augen einen
Gegenstand in ca. 10 m Entferung betrachten würde, oder ob die strenge Parallelität der beiden Bino-Achsen das Richtige ist. Oder die Frage,
wieviel Verkippung unsere Augen tolerieren und im Kopf entsprechend ausgeglichen wird. Vielleicht bekomme ich ja sachkundige Rückmeldung.

Mein Spiel-Objekt ist das Großfeldbinokular von Baader Planetarium, das nie runtergefallen ist und deshalb noch die ursprüngliche Zentrierung haben sollte.
Demnächst will mir einer nämlich ein anderes Bino in die Hand drücken. Wie ein Bino optisch funktioniert, setze ich zunächst mal voraus.

Bino_01.jpg

Wenn man also fernrohr-seitig, also dort, wo das Bino zum Teleskop zeigt, einen Laser-Pointer zentrisch einsetzt, dann sollte okularseitig, also dort, wo man für
gewöhnlich hineinschaut, zwei Bündel "herauskommen", in die man besser nicht hinein-schaut. Zuvor sollte man aber die Barlow-Linse herausnehmen, die nämlich
als "Expander" wirkt, also den Bündeldurchmesser kräftig vergrößert. Der Bündelabstand in der Nähe des Binos liegt in meinem Fall bei 76 mm und bleibt unverändert.
Mißt man in meinem Fall jedoch in vier Meter Abstand erneut den Bündel-Abstand, so ist er diesmal 85 mm. Das bedeutet, daß die beiden Achsen nicht streng
parallel sondern leicht divergent verlaufen. Am Fernrohr selbst bemerkte ich davon bisher nichts.

Bino_02.jpg

Wer noch einen künstlichen Stern auf der Achse hat, wie man ihn bei der Zentrierung von katadioptrischen Systemen braucht, der kann das Bino damit kombinieren.
Und da kein Fernrohr dazwischen-geschaltet ist, muß man sich den künstlichen Stern mit einem kleinen 3-fach Kepplerfernrohr anschauen. Was auch funktioniert.
Das Licht der Pinhole wird also über den Planspiegel wieder durch das Bino hindurchgeschickt und über das Keplerfernrohr betrachtet.

Bino_03.jpg

Man würde nun erwarten, daß die beiden Punkte zusammenfallen, da ja das vom Fernrohr erzeugte Bild in zwei Teilbilder zerlegt wird, deren opt. Achse eigentlich
zueinander parallel sein sollten, da unsere Augen-Achsen bei Unendlich genauso parallel sein sollten, wenn nicht gerade irgendwelche Fehler das beeinflussen.
Wie man dem nächsten Bild jedoch ansieht, fallen beide "Sterne" nicht zusammen, und wirft ein paar Fragen auf:
- möglicherweise liegt diese Abweichung in der Toleranz und wird vom Gehirn korrigiert.
- ist es für unseren Seh-Apparat entspannter, wenn die beiden Bino-Achsen ein klein wenig konvergent sind, so, als würden wir ganz entspannt ein Objekt in
10 m Entfernung betrachten.

Bino_04.jpg

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Hallo Wolfgang,

Bei diesem Thema wären eigentlich die Augen-Optiker gefragt. Bei der Bino-Zentrierung stellt sich die Frage, ob es für unsere Augen bei einem
Binokular-Ansatz besser ist, wenn die beiden Achsen ein klein wenig konisch sind, also etwa so verlaufen, wie das entspannte Augen einen
Gegenstand in ca. 10 m Entferung betrachten würde, oder ob die strenge Parallelität der beiden Bino-Achsen das Richtige ist. Oder die Frage,
wieviel Verkippung unsere Augen tolerieren und im Kopf entsprechend ausgeglichen wird. Vielleicht bekomme ich ja sachkundige Rückmeldung.

bin zwar kein Augenoptiker, aber versuche es dennoch:

Es gibt international zwei führende Hersteller von Augen-UntersuchungsSpaltlampen:

http://www.haagstreit.de/index.php?id=5294 und
http://www.meditec.zeiss.de/C125679E00510B81/ContentsWWWIntern/1818910124C59A54C1257164002E0C23

Haag-Streit verwendet traditionell einen Einblickwinkel von 13° Konvergenz, Zeiss hingegen von 0°. Die Qualität der Optiken ist in beiden System sehr gut.

Der Hintergrund ist folgender:
Zeiss geht davon aus, dass man zum entspannten beobachten in die Ferne schauen sollte - wie bei einem Fernglas. Da hat das Auge die geringste Anstrengung, da es akkomodationsfrei arbeitet. Ein Vorteil des Zeissystems aber ist folgender: man kann ohne Probleme alles mögliche in den Strahlengang einbauen, denn der 0°-Konvergenzwinkel ermöglicht den unkomplizierten Einsatz von Strahleteilern, Cameramodulen, Laserelementen etc.

Haag-Streit hingegen mein, dass man in ein Gerät in der Nähe schaut, folglich auch gefühlt in den Nahbereich schaut und daher eine Konvergenz nur natürlich wäre.

Ergebnis:
Das Einblickverhalten scheint sehr unterschiedlich zu sein. Beide Systeme haben eine große Verbreitung und keines konnte sich in vielen Jahrzehnten dem anderen gegenüber durchsetzen. Mittlerweile haben beide Hersteller Binokularsysteme mit unterschiedlichen Konvergenzwinkeln im Programm.

Würde man eine Anwender-Umfrage machen, bekäme man von vielen Anwendern die Aussage: "ich kann nur mit System XXX" richtig gut sehen - wobei hier vor allem das räumliche Sehen einen Unterschied zu machen scheint. XXX steht aber genau so häufig für Zeiss wie für Haag-Streit. Vielleicht spielt auch der Grad der Heterophorie, also des verstecktens Schielens (haben 70% aller Menschen) eine Rolle. Das ist aber Spekulativ. Es gibt dazu keine neutralen Untersuchungen.

Ich bin übrigends der Zeiss-Gruppe zuzurechnen.

Letztlich würde hier (Astrobereich) nur eine Vergleichsprobe helfen (wie bei der Okularwahl). Da es aber nicht so viele Binokularansätze gibt, und die guten auch sehr teuer sind ist das wohl eher unrealistsich.

Grüße

Christoph

PS: was meinst Du mit Verkippung? Die Augen korrigieren so ca. 10°? Kopfneigung über die Rotation der Augäpfel. Den Rest machet das Gehirn. Da sollte es aber die wenigsten Probleme geben, bevor das augentechisch scheitert, beschwert sich die Wirbelsäule.

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Hallo Wolfgang,
Rohr,http://astro-foren.de/WBB4/index.php/Thread/?postID=57345#post57345 wrote:

Übrigens stellt sich der Frage bei Mikroskopen erneut: Das Objekt sieht man ja vergrößert offenbar ganz nah,
zumindest suggeriert das die Situation. Da könnte ich mir vorstellen, daß man dies durch entsprechende
Konvergenz der opt. Achsen unterstützt.

http://kaden-verlag.de/fileadmin/download/ZPA_5-10_Krastel.pdf Seite 287 Mechanismen der Mikropsie, Makropsie und Metamorphopsie

außerdem:

Wenn man eine Konvergenz induziert, so regt man eine Akkomodation an. Dadurch verändert sich die Brennpunktlage des Auges. Dies korrigiert man wieder durch eine Fokusveränderung am Fernrohr / Mikroskop etc aus. Dabei kann aber durchaus ein weiterer Vergrößerungs- bzw. Verkleinerungseffekt auftreten (etwa analog einem Galillei-Fernrohr: Sammellinse und Zerstreuungslinse mit Abstand dazwischen). Von der Beobachtungsphysiologie her sollte man Konvergenz und Akkomodation vermeiden, es ist anstrengender, was jeder, der eine Lesebrille hat testen kann, wenn er selbige mal wegläßt und trotzdem versucht zu lesen (=zu akkomodieren).

Letztlich belibt aber wahrscheinlich viel subjektives empfinden, vermutlich auch davon abhängig, ob das Auge immer leicht akkomodieren muss (z.B. geringe Weitsichtigkeit ohne Brille) oder eben nicht.

Der Einblick beim Mikroskop ist grundsätzlich der gleiche wie beim Fernrohr. Das Wissen um den Objektort (einmal unter dem Mikroskop, einmal in der Unendlichkeit) dürfte dem Auge für die Entfernungsschätzung reichen. Dann schon eher die größe des Gerätes - oder eben doch der Kovergenzwinkel.

Grüße

Christoph