D049 Celestron C 9dot25 ein göttliches Gerät

Immer wenn Sternfreunde unter einer längeren Schlechtwetter-Periode leiden, dann be-
helfen sich manch "großartige" Experten mit Themen, die direkt mit der Sternguckerei
und ihrem wissenschaftlichen Hintergrund weniger zu tun haben. Es sind eher die nicht-
astronomischen Themen, die "sachkundig" in den Vordergrund gespült werden, oder
marginale Probleme, die auch einem Kaninchen-Züchterverein gut zu Gesicht stehen.
Mit solchen Einleitungen habe ich mir in der Vergangenheit manche "hochgelahrten"
Zeitgenossen vergräzt, weil sie mit Begriffen wie "Glosse", "Streiflicht" oder "Satire" eher
Majestäts-Beleidigung verbanden, als burleske Meinungs-Äußerung. Als Einleitung zu
sachlichen Themen hatte ich früher immer einen derartigen "Vorspann", der mindestens
auf diesem Board wieder aufleben soll - so bier-ernst kann unser Hobby doch gar nicht sein !

Heute servierte mir ein Sternfreund wieder ein Highlight Gerät in Form eines Celestron
C9, in München, Solalinden gekauft und von einer Qualität, mit der der Sternfreund rund-
um zufrieden sein kann, auch auf allen zukünftigen Teleskop-Treffen und ihren kritischen
Geistern.

Das handliche Teleskop setzt man zur genaueren Durchleuchtung vor einen Auotkollima-
tions-Planspiegel hoher Qualität und Glätte und kann, was nur im Falle der SC-Geräte von
Celestron geht, mit der Teleskop-Steuerung die Justage vor dem Planspiegel durchführen.

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Im ersten Arbeits-Schritt überprüft man die Kollimation des opt. Systems, weil sich sonst
in allen nachfolgenden Tests, die Dejustage abbilden würde, und entsprechend schlecht
würden alle unterschiedlichen Tests abschneiden. Großen Wert lege ich darauf, daß bei
diesen Messungen der Besitzer dabei ist.
Dann lassen sich alle Fragen direkt beantworten
und klären und man kann bei nachfolgenden "wissenschaftlichen" Beiträgen anderswo, den
Sternfreund als Kronzeugen zitieren, bzw. dieser kann dort einseitig geäußerte Darstellun-
gen berichtigen.

Sterntest

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In unserem Fall mußte das Gerät im temperierten Zustand erst sorgfältig justiert werden,
was man abschließend mit einem Sterntest bei doppelter Genauigkeit dokumentieren
kann als Nachweis, daß dieses Gerät in einwandfreiem Zustand das Labor verlassen hat.
Natürlich hat sich der Sternfreund vorher von der Dejustage ebenfalls am Sterntest über-
zeugen können, und kann zukünftig vielleicht selbst die Justage am Stern durchführen.

Ronchigitter-Test 13 lp/mm intrafokal

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Bei einem SC-System ist ein solches Testbild bereits ein deutlicher Hinweis auf hohe
Qualität: deutliche definierte Streifen, ohne besondere Verformungen. Damit kann man
bereits jetzt die bekannten Störungen über die Schmittplatte ebenso ausschließen, die
größere Fehler bei der sphärischen Aberration. Die Mittelstrahlen fallen etwas kürzer
mit einen relativ geringen Flächenanteil, der wichtige Rand scheint in Ordnung zu sein,
muß bei den folgenden Tests näher untersucht werden, die "Glätte" des gesamten
Systems verspricht einen hohen Kontrast.

Foucault- oder Messerschneidetest

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Dieser Test zeigt die "Landschaft" der ankommenden Wellenfront. Diese erzeugt das
Bild und die Forderung lautet, daß 80% der durch die Teleskop-Öffnung eintretende
Licht sich innerhalb des Beugungs-Scheibchens versammeln soll. Der Strehl von 0.80
würde diesen 80% entsprechen bei einem Peak to Valley Wert von L/4 der Wellen-
front über die gesamte Fläche gemessen. Dieser quantitative Wert darf aber nicht ve-
absolutiert werden, wie es in manchen Foren passiert ist, ganz besonders nicht bei
SC-Systemen, bei denen andere Einflußgrößen über die opt. Qualität entscheiden.

Lyot- oder Phasenkontrast-Test zur Prüfung der "Rauhheit"

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Dieser Test untersucht über den Foucault-Test hinaus, die "Rauhheit" eines opt. Systems:
Je rauher ein opt. System, umso stärker ist das kontrast-mindernde Streulicht, das den
Bildhintergrund aufhellt, während Zonen für die Unschärfe bei Kanten zuständig sind.
Bei einem 20-Zoll Spiegel wirkte sich das in der Form aus, daß seine Leistung auf die
eines 10-Zöllers zurück-fiel. Die Fläche wirkt ähnlich glatt, wie beim Foucault-Test.

Spalttest visuell

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Da bei diesem Test die Vergrößerungen mit 1000- bis 2000-fach an die Grenze des opt.
Systems gehen durch Verwendung eines 2.5 mm Okulars von Vixen im doppelten Durch-
gang, ist dieser Test als einziger Test schwer zu fotografieren. Aber auch hier bestand
das Gerät diesen Auflösungstest mit Bravour.

Interferogramm bei 650 nm

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Die quantitative Flächenauswertung - und nur dann ist eine quantitative Auswertung wirk-
lich sinnvoll, bezieht sich also wirklich auf die gesamte Fläche, und nicht auf eine Linie, wie
bei einem Schnittweiten-Test, wie das viele Spiegelschleifer machen. Denen dann klar zu
machen, daß man fast gar nicht von einer Linie auf eine Fläche schließen kann, ist ein fast
aussichtsloses Unternehmen. Auch an dieser Diskussion wird die "ideologische Verhärtung"
mancher Zeitgenossen deutlich. Die nächste Diskussion steht dann mit der Auswertung
dieser Interferogramme ins Haus. Ob denn auch exakt der Strehl mit WYKO- oder
ZYGO-Ergebnissen vergleichbar sei. Welche Toleranz-Breite das Meßergebnis habe mit
genauer Angabe, mit welchem Programm die Ergebnisse ermittelt wurden, ob alle Para-
meter richtig gesetzt seien, und alle weiteren spitzfindigen Einlassungen, die völlig vergessen
machen, daß bis zur Entwicklung meiner Interferometrie, die gesamte Szene nur in Aus-
nahmefällen ein Interferogramm zu Gesicht bekam, noch über andere Test so richtig von
der Qualität ihrer Geräte erfuhr und die Kaffee-Satz-Leserei fröhliche Urständ feierte.

FringeXP-Auswertung

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Bei einer Meßwellenlänge von 650 nm, der Lieferanten-Angabe dieser Laserdioden,
und nicht allzuweit von der HeNe-Laser wave von 632.8 nm entfernt, wie sie in der
Industrie Verwendung findet, ergibt sich unter Abzug des geringen Komabetrages,
der aus dem Testaufbau resultiert ein sehr guter Strehl von fast 0.97 bei einen PV
Wert von fast L/7 der Wellenfront. Hervorragend, wenn man dies auf die ganze
Fläche beziehen kann.

Nach drei Stunden Meßtechnik-LIVE war der Sternfreund nicht unglücklich über dieses
Ergebnis. Geahnt hatte er es bereits, aber jetzt hatte er die Dokumente in Form einer
CD, die er sorgfältig einpackte und mitnahm für alle sich anschließenden Diskussionen
am Stammtisch. Nachdem ich gestern einen eher mäßigen 20-Zöller zu untersuchen
hatte, war dieses C9 auch für mich eine äußerst angenehme Abwechslung.

Möge der Sternfreund noch jahrelang an seinem C9 viel Freude haben und nie glauben, daß ein
anderes Gerät besser sei.