D034 Celestron C8 - richtig zentrieren

Celestron C8 - richtig zentrieren                                                                          

Unter den C8, die ich hier bereits untersuchen konnte, zählt dieses Exemplar zu den überdurchschnittlich guten Schmidt-Cassegrain-Systemen.
Die Zentrierung dieser Systeme ausschließlich am Fangspiegel wäre eigentlich sehr einfach. Leider muß man sich aber darauf verlassen, daß
sowohl der Hauptspiegel richtig zentriert ist, aber auch die Hauptspiegel-Lagerung möglichst spielfrei erfolgte. Aus diesem Grund kann es deshalb
passieren, daß bei Lageänderung oder bei der Temperatur-Anpassung sich die einmal perfekte Zentrierung leicht verändert, also die im Labor
exakt auf der Achse erzielte Zentrierung sich am Stern geringfügig verändert hat. Dieser Fall läßt sich leicht überprüfen und beheben.

Die auf dem Bild mittig gezeigten drei Kreuzschlitz-Zentrierschrauben (M3) sollten gefühlvoll, also nie mit großem Druck zu drehen sein. Sie verkippen eine
Alu-Scheibe ca. 5 mm dick, auf die mit einem Klebepat der eigentliche Fangspiegel aufgeklebt ist. Diese Alu-Scheibe rastet mit einer zentralen ca. 4 mm
großen Bohrung in einen Kunststoff-Stift und wird in dieser von außen sichtbaren Kunststoffkappe solange verkippt, bis die Zentrierung stimmt. Dabei gilt
folgende Regel, wenn man okularseitig den Polarstern in der Bildfeldmitte betrachtet:
Dort wo der intra/extrafokale Scheibchenring dicker ist, muß man analog dazu die entsprechende Zentrierschraube im Uhrzeigersinn um einen kleinen Winkel
drehen. Sollte sich diese Schraube schwer bewegen lassen, dreht man gegenüber, also dort, wo dieser Ring dünner ist, die entsprechende Schraube nach
links, also auf. Ebenfalls ein ganz kleiner Winkel. Wer mit zuviel Kraft arbeitet, riskiert im Winter, daß diese Kunststoffkappe springt und dann als Reparatur-
fall bei mir landet. Der Restastigmatismus, der vermutlich dem Hauptspiegel, dessen Lagerung oder dessen Zentrierung zugeordnet werden muß, hält sich in
Grenzen.

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Ein guter Anhaltspunkt für die Zentrierung ist der über die Beugung entstehende Poisson-Punkt, der damals beim Streit um die Natur des Lichtes, ob Welle oder
Teilchen, eine wicchtige Rolle gespielt hatte. Hier dient er als Bezugspunkt, damit das defokussierte Sternscheibchen möglichst konzentrisch erscheinen soll.
In diesem Fall stören bei hoher Vergrößerung in Fokusnähe die Effekte des Restastigmatismus, den man hinnehmen kann, wenn man die Abbildung meiner 15 Mikron
großen Pinhole betrachtet. Die artificial Sky Aufnahme erzielt einen ähnlich guten Kontrast, wie bei einem Refraktor. Bei obstruierten Systemen ist jedoch der
erste Beugungsring deutlicher sichtbar. Poisson-Fleck/Punkt, Link1,  Justage über den Poisson Punkt

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Daß auch SC-Systeme nicht ganz farbrein sein, läßt sich über den Foucault-, den Ronchigittertest und die Interferogramme in den einzelnen Speltrallinien beweisen.
Ich erinnere mich noch deutlich an einen Disput, als ich das zum ersten Mal bei einem Meade SC erwähnte. Betrachtet man die mittleren Streifen von Blau bis Rot,
so erkennt man die "M"-förmige Verformung im kurzen (blauen) Spektrum und die "W"-förmige Verformung im langen (roten) Spektrum. Über die sphärische Aberration
läßt sich als PV-Wert oder Strehldifferenz ein quantitativer Wert ermitteln, der aber eher theoretisch bedeutsam ist, wenn man mit einem Refraktor vergleicht.

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Die Streifen laufen in Richtung 15:00 Uhr leicht konisch zusammen, was ein Hinweis auf diesen Restastigmatismus ist.

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Die dünne gelbe Linie zeigt den Idealverlauf eines perfekten Streifenbildes und die hier vorliegende Abweichung.

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Die Wellenfront-Deformation als 3D-Darstellung

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Über die Obstruktion wird ein Teil der Lichtenergie in den ersten Beugungsring verschoben, sein Wert steigt an, dafür sinkt das Maximum in der Mitte.

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Aber mit einem Strehl von knapp 0.95 sollte man zufrieden sein können, zumal der artificial Sky Test oben ein sehr gutes Ergebnis abliefert.

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Mit diesem C8 erzielte Sternfreund Wohler diese Aufnahme:

Jupiter2010-09-03--00h43UT.jpg