C073 ASTROSIB - glatte Spiegel von Astrosib

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Glatte Spiegel von ASTROSIB

2. Juni 2009 Von diesem Hersteller hatte ich bisher keinen Spiegel hier. Auch aus diesem Grund wurde dieser Spiegel auf drei
mögliche Arten getestet: A) im Krümmungsmittelpunkt mit Umrechnung auf Null, B) in Kompensation durch eine
Plankonvex-Linse und schließlich gegen einen Planspiegel auf Null/Autokollimation mit der Einschränkung, daß
wegen der 80 mm Bohrung des Planspiegels von der 200 mm Durchmesser-Spiegelfläche ein Teil verdeckt wird.
Quote:

Test-Anordnungen , RoC, Autokollimation,Planflächen,
Kompensation durch Linse und Sphäre
Kompensations-Linsen für Ross-Null-Test
The Dall-Null-Test , der Ross-Null-Test ,  (Spiegel-Test-Verfahren +Ross-0-Test


Alle drei dieser Meßverfahren haben Vor- aber auch Nachteile:
Bei A) im Krümmungsmittelpunkt hat man keine weitere ZusatzOptik, nur noch das LagerungsProblem und die Luftunruhe
dazwischen. Allerdings muß Durchmesser und Radius des Spiegels genau bekannt sein, Mit diesen Vorgaben rechnet man
mathematisch auf Null zurück. Fazit: Ein echter Nulltest ist es nicht, aber der ZYGO PhasenShiftInterferometer verwendet
dieses Verfahren.
Bei B) kann man optisch die Parabel Kompensieren, entweder durch einen Kugelspiegel oder eine Plankonvex-Linse mit
exaktem Interferenzfilter. Natürlich muß die genaue Position der Einzeplinse (mit konvexc-Fläche zum Spiegel) eingehalten
werden. Auch dieser Test ist kein absoluter Null-Test (siehe Hubble-Space-Telescope). Der Vorteil, wie auch beim Test
vorher: Es wird die ganze Fläche einbezogen und man bekommt gerade/parallele Linien.

C) Der Test in Autokollimation ist ein absoluter Nulltest, bei dem der Planspiegel genau bekannt sein muß. Bei kleinen Spiegeln
ab Durchmesser 200 mm und weniger verdeckt die 80 mm Bohrung zuviel der Spiegelmitte und es fehlt ein Teil der Information.
Allerdings sieht man sehr genau die Parabelkorrektur und kann sich darauf verlassen, daß die Parabel richtig retouchiert
worden ist. Auch die Überprüfung auf Glätte wäre in diesem Testaufbau am deutlichsten.

Gekauft hat der Sternfreund das Spiegelset bei AOK Swiss, und weil weitere keine Informationen zu finden waren, landete der
Spiegel bei mir.

AOK_Swiss01.jpg

Der Hersteller sitzt in Rußland und heißt ASTROSIB. Aus Rußland kamen bisher immer recht glatte Spiegel, was auch
für diesen Hersteller zu stimmen scheint.

AOK_Swiss02.jpg

Die Mitten-Markierung mußte nachgearbeitet werden, wobei es nur die physikalische Mitte ist in der Hoffnung, daß sie mit der
optischen Mitte zusammenfällt.

AOK_Swiss03.jpg

Für den Kompensations-Testaufbau braucht man eine Abstands-Rechnung, die man hier erkennen kann. ZEMAX leistet hier
willkommene Dienste.

AOK_Swiss13.jpg

Einer der grundsätzlichen Tests in RoC ist der auf Astigmatismus, weil dieser optische Fehler am schnellsten den Strehlwert
"verhagelt" und deswegen möglichst an den Anfang gestellt werden muß.

AOK_Swiss04.jpg

Im gleichen Setup entstehen dann die ROC-IGramme, die mit AtmosFRinge ausgewertet und auf Null zurückgerechnhet werden.
Auch die Angabe der exakten Wellenlänge muß in die Rechnung eingehen.

AOK_Swiss05.jpg

Da ein geringfügiger Astigmatismus vernachlässigt werden kann und deswegen abezogen wird, hat man es mit einem hohen
Strehlwert zu tun.

AOK_Swiss06.jpg

Bei einfacher Genauigkeit in Kompensation durch eine Einzellinse (Ross-Null-Linse) lassen sich ebenfalls unter Verwendung eines
Interferenzfilters die üblichen Tests durchführen:

AOK_Swiss07.jpg

In dieser Kopmpensations-Anordnung also der Foucault-Test

AOK_Swiss08.jpg

und danach der Ronchi-Gittertest intrafokal mit 13 lp/mm. Dabei wäre der dunkle Bereich zwischen den Linien ein deutlicher
Hinweis auf einen glatten Spiegel.

AOK_Swiss09.jpg

In dieser Testanordnung käme man auf einen ähnlich hohen Strehl.

AOK_Swiss10.jpg

Was Fläche anbelangt ist der Test in Autokollimation die genaueste Möglichkeit, den Spiegel zu untersuchen. Die Bilder
zeigen a) Foucault, b) Ronchi c) Interferogramm d) Lyot-Test. Daß die Kante ein wenig herunterfällt, erkennt man am
Vergleicht IGramm-Lyot-Test. Mit einem Edding-Stift sauber abgedeckt, wäre dieser Einfluß bereits behoben. Es werden
ohnehin nur Perfektionisten merken.

AOK_Swiss11.jpg

Da der Spiegel geringfügig überkorrigiert ist, was den Strehl etwas abfallen läßt, muß er immer gut belüftet sein. Ob der Strehl
um ca. 2%-Punkte schwankt, wird man nur am Astro-Stammtisch ernsthaft diskutieren wollen . . .

AOK_Swiss12.jpg

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Lieber Wolfgang,

da ich einen Ninja mit einer Astrosib-Optik habe, freut es mich, dass du eine Scherbe aus deren Produktion unter die Lupe genommen hast.

Noch mehr freut mich das Ergebnis. Uwe Pilz, PIU58

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Hallo Wolfgang,
ich möchte mich Uwe vollumfänglich anschliessen. Einst liess ich bei dir einen Spiegel des O-nglischen Herstellers testen, da dieser Mängel vermuten liess. Dein Test war in der Tat vernichtend.
Der Wechsel zu einem Teleskop mit einer Astrosiboptik (Ninja 320) zeigte in der Praxis sofort einen enormen Qualitätsgewinn.
Danke für den aufschlussreichen Test.
Peter