C061 Hubble Optics 18 Newton Made in China

3. Januar 2011
Sandwich 16 inch mit deutlichem Astigmatismus vermutlich Hubble Optics

Hubble Optics - leider überkorrigiert
Hubble Optics 8-inch f/5.7 Newton Messen im Krümmungsmittelpunkt und in Kompensation
http://www.cloudynights.com/ubbthreads/showflat.php/Cat/0/Number/2466228/page/0/view/collapsed/sb/5/o/all/fpart/1/vc/1http://www.cloudynights.com/ubbthreads/showflat.php/Cat/0/Number/2466228/page/0/view/collapsed/sb/5/o/all/fpart/1/vc/1
http://www.webastro.net/forum/showthread.php?t=31206http://www.webastro.net/forum/showthread.php?t=31206
Quote:

I am interested in the Hubble Optics light-weight sandwich mirrors. They are made in Hong Kong and distributed by a company in Virginia. They advertise on Astromart.


@line3C.jpg

Made in China - Hubble Optic - ein brauchbarer Spiegel

Alles in allem wäre dieser 18-Zöller f/4.63 doch ein brauchbarer, etwas leichterer Newton-Spiegel. Auch fallen die "Schönheits-Fehler" diesmal
gnädiger aus als im oberen Beispiel. Wo der Firmensitz tatsächlich ist (möglicherweise Californien/USA), war in der Kürze der Zeit nicht zu ermitteln,
die Webseiten www.hubble-optics.com vermeiden jeden Hinweis auf ein Land bzw. eine Addresse. Zum Domain-Inhaber läßt sich nur soviel finden.
Der Spiegel selbst kommt offenbar aus China, glaubt man dem Aufkleber, dessen andere Daten durchaus richtig sind. Diese Spiegel werden u.a. über
ebay angeboten, was viele eher mit Zurückhaltung quittieren. Man hat den Eindruck, hier hängen sich einige an den Nimbus des Hubble Space Teleskop.

MiCh_Hubble_11.jpg

Betrachtet man das Sandwich-Paket von vorne, so macht dieser Spiegel, der bei einem 20" Newton für 2 650.- US Dollar zu haben ist, einen ganz normalen
Eindruck. Auf die Spiegelkanten allerdings wird bei Hubble Optics (bzw. in China) kein großer Wert gelegt: Rundieren und Phasen. Auch die Beschichtung ist
nicht ganz einwandfrei.

MiCh_Hubble_01.jpg

Beleuchtet man die Rückseite mit einer 500-Watt Halogenlampe, so hätte man sich eine etwas bessere Beschichtung gewünscht, aber lange nicht so gravierend wie
dieses Beispiel: http://rohr.aiax.de/@Sandwich01.jpg

MiCh_Hubble_02.jpg

Bei dem mitgelieferten grünen Ronchi-Gramm (übernächstes Bild) handelt es sich vermutlich im 5 lp/mm und weniger, wenn man dazu im Vergleich meine Beispiele betrachtet:

MiCh_Hubble_14.jpg

Selbst bei 5 lp/mm würde man in der Mitte noch die Zone sehen, die bei dem grünen mitgelieferten Bild völlig "unter den Tisch fällt" und einen gleichmäßgen
Spiegel vortäuscht. Man wird aber den Kaufpreis zur Qualität ins Verhältnis setzen müssen.

Das Certifikat wurde über den quantitativen Foucault-Test erstellt und stellt eine Linien-Messung dar über die Mitte der Spiegelfläche. Es wird also prinzipiell nur das
Schnitt-Profil der Parabel untersucht und Strehl-mäßig ausgedrückt. Das Problem dieser Art Messung bleibt der Astigmatismus, der bei großen Spiegeln mehrere
Ursachen haben kann, und mit dem Spiegel selbst gar nichts zu tun haben muß. Lagerungs-A, + Hilfs-Optik-A, + Seeing-A, + Spiegel-A;

MiCh_Hubble_03.jpg

Aus diesem Grund untersuche ich zu Beginn eines solchen Spiegeltests, ob ein Spiegel einen signifikanten Astigmatismus hätte oder nicht.
Dazu wäre der extrafokale Sterntest bei hoher Vergrößerung ein deutlicher Hinweis, ob Astigmatismus im Spiel ist oder nicht. Dieser Test
muß unbedingt im Krümmungsmittelpunkt stattfinden, damit außer der Lagerung und der Luft dazwischen keine weiteren Einflußfaktoren eine
Rolle spielen. Die beiden Ergebnisse jedenfalls belegen, daß man von einem geringen Astigmatismus ausgehen kann, der vernachlässigt
werden bzw. abgezogen werden kann.

MiCh_Hubble_04.jpg

Was man einem Spiegel erst auf den zweiten Blick ansieht, ist die Flächen-Qualität: Deutlich sind die Polierspuren erkennbar und eine leichte Rinne im Zentrum. Am Ronchigramm
erkennt man zwar die richtige Korrektur der Parabel mit einer leichten Tendenz zur Überkorrektur, wie bereits im Hubble Certifikat erkennbar mit conic constant = -1.0121
Eine leichte Unterkorrektur wäre wünschenswert, weshalb man die Rückseite gut belüften/absaugen sollte. Über den Lyot- Ruahheitstest läßt sich die Art der Polierstriche
nachvollziehen. Zambuto-Spiegel oder solche von Alluna Optics sind an dieser Stelle glatter, allerdings zu Recht auch teurer.

MiCh_Hubble_05.jpg

Der folgenden Auswertung liegt ein Interferogramm bei 532 nm wave in RoC zugrunde, bei dem jeder 3. Streifen nachgezeichnet wurde, weshalb der Scale für
Wave/Fringe = 3 ist. Das synthetische Streifenbild wird dadurch leichter erfaßbar.

MiCh_Hubble_06.jpg

Die Wellenfront-Deformation mit den schon erwähnten leichten Zonen.

MiCh_Hubble_07.jpg

Die Engerieverteilung als 3D-Darstellung

MiCh_Hubble_08f.png

Und die Auswertung auf der Basis des RoC-Interferogrammes bei 532 nm wave. Der Unterschied zum oberen Hubble Certificat ist nicht
besonders groß, sodaß hinsichtlich Strehl-Wert dieser Newtonspiegel in Ordnung ist.

MiCh_Hubble_09.jpg

Eine andere Auswertung über ein Interferogramm in Autokollimation kommt zu einem ähnlichen Ergebnis, wobei die Überkorrektur das
Strehlergebnis etwas herunterzieht. Sicherer ist eine Auswertung über Autokollimation, da der Planspiegel eine absolute Größe für Unendlich
darstellt, während RoC oder die obere Foucault-Auswertung (ebenfalls in RoC) keinen exakten Null-Punkt hinsichtlich Unendlich hat. Deshalb
ist es sinnvoll, über verschiedene Setups die quantitativen Werte zu ermitteln und miteinander zu vergleichen.
Während also beim Streifenbild in Autokollimation nur die Topografie zu berücksichtigen ist, muß beim RoC-Interferogramm das Streifenbild
randscharf sein, exakt rund und sowohl Durchmesser und Krümmungsradius des Spiegels exakt bekannt sein und eingegeben werden, da
sonst falsche Ergebnisse herauskommen würden. Ähnlich ergeht es dem Foucault- und Caustik-Test, wenn man ihn quantifizieren will:
Den "Null"-Punkt wird man dann am besten in der 0.707 Zone suchen müssen.

MiCh_Hubble_10.jpg

Unter dem Blickwinkel Preis-Leistungs-Verhältnis haben wir für ca. 2.500.- US Dollar einen guten Spiegel vor uns, der etwas leichter ist als
die üblichen 23 Kilogramm schweren 20-Zöller. Auch wenn es schwer fällt wird man die Qualität immer im Verhältnis zum Preis sehen müssen.
In Deutschland würde niemand für diesen Preis einen Spiegelschleifen, da vermutlich der Rohling bereits den halben Preis verschlingt, weiteres
Zubehör noch nicht gerechnet.