C036 Kompensations-Messung, Oberflächenfehler; ein merkwürdiger Newton

12. Juni 2007 Ein merkwürdiger Newton -------------------- 302.5/1229 (R=2458)

http://rohr.aiax.de/dobson.htm zum Vergleich mein eigener Newton mit ähnlichen opt. Daten.

Offenbar dürfen sie wieder verkauft werden, die rauhen, unterkorrigierten und schlecht retouchierten Newton-
Spiegel, an deren Machart man sofort wieder den Hersteller erkennt, der seine Interferogramme dadurch er-
zeugt, daß er die Foucault-Schnittweiten-Ergebnisse in Zemax steckt und sich dann Interferogramme rech-
nen läßt. Orientiert man sich am Strehl, dann schrammt man ganz knapp bei 80% Strehl vorbei und der
Händler könnte behaupten, der Spiegel wäre beugungs-begrenzt. Alle anderen Merkmale zeigen aber eher
nach unten, und damit ist auch klar, warum der Sternfreund der Sache mal auf den Grund gehen wollte,
sinngemäß zitiert:
Quote:

... schon des öffteren aufgefallen, dass der Spiegel intra/extrafokal ein unterschiedliches Bild zeigt.
Bei Anfrage bei der Firma ... sagte man mir, der Spiegel wäre unterkorrigiert und hätte eine sphärische Aberration, was
aber bei f4 Newtons fast immer so wäre.


Als "Hundekuchen"-Oberfläche hat schon Hans Rohr in seinem Buch "Das Fernrohr für Jedermann" Erstausgabe 1955
Orell Füssli Verlag Zürich, im Bild Seite 81 / 6.Bild treffend bezeichnet. Dazu schreibt er auf
Seite 105 folgendes:
Quote:


Eine Hundekuchen-Oberfläche entsteht in normalem Glase dadurch, daß durch intensives Polieren die Pechhaut und der
Spiegel etwas über Gebühr warm werden. Infolgedessen dehnt sich das Glas mehr aus, aber nicht an allen Stellen gleich-
mäßig, da eine warme Pechhaut bei schnellem Polieren weich wird und nicht gleichmäßig packt. Die angeschwollenen Glas
stellen, die schätzungsweise kaum 1-5/10 000 Millimeter über die absolut genaue Fläche emporragen, werden vom Rot der
Pechhaut automatisch mehr bearbeitet als die zurückgebliebenen Teile, erwärmen sich also sehr rasch noch mehr und
schwellen deshalb weiter auf, bis sie schließlich vom Rot doch auf den Grund der übrigen Fläche abgetragen oder ver
schmiert werden. In diesem Augenblick aber hört an diesen Stellen die übermäßige Wärmeentwicklung auf, das Glas
schrumpft lokal plötzlich ein - und wir haben die vom Schleifer so "geliebte"- Hundekuchen-Oberfläche mit ihren flachen
Mulden und Höckern!
In Tat und Wahrheit wird auch bei langsamem Polieren dieser stete Wechsel zwischen örtlichem Erwärmen, Abtragen und
Einschrumpfen in kleinstem Maße die Regel sein. Trägt man aber Sorge, daß durch langsames Polieren die entstehende
Wärme abfließen kann, so bleibt die Erscheinung unmerklich, und wir erhalten schließlich das Gewünschte, eine optisch
auspolierte Fläche. Leidet der Schleifer an heißen Händen, so empfiehlt sich im Endstadium des Polierens als Isolation die
auf Seite 94 erwähnte Wellkarton-Scheibe.

Gelüstet es den Schleifer später zu größeren Taten und will er sich nach dem Schliff mehrerer Spiegel an das Abenteuer
eines größeren Stückes von 20 cm oder gar mehr wagen - was wir jedem Anfänger in seinem eigenen Interesse dringend
abraten! -, so muß er sich zu diesem Zwecke nach einem Glas aus anderem als dem bisher verwendeten Material um-
sehen. Die Thermal-Effekte werden bei diesen größeren Spiegeln aus normalem Glas zuweilen zum erbittertsten Feind des
Schleifers.


Spiegelschleifer wissen das also schon länger als ein halbes Jahrhundert. Schaut man sich das nächste in Kompensation
durch eine Plankonvex-Linse gemachte Foto an mit dem Solar Continuum Interferenz-Filter, dann erlebt man, wie stümper-
haft die Mitte retouchiert wurde, die bei der Doppelpaß Messung immer unter den Tisch fällt, natürlich auch über den
Fangspiegel verdeckt wird. Auch eine Philosophie.

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Alle folgenden qualitativen Tests zeigen die extreme Rauhigkeit des Spiegels mit einer deutlichen Zone, einer abfallenden
Kante und demzufolge erhebliches Streulicht, wenn man sich einen künstlichen Stern im Fokus betrachtet.

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Derartige Fehler werden bereits im Sterntest schon bei moderater Vergrößerung abgebildet.

normanSchn03.jpg

nicht wegzudiskutieren die Rinne von ca. L/2 PV der Wellenfront, der innere Teil wird von der Planspiegelbohrung ver-deckt.

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In Kompensation ist er aber wieder zu sehen.

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Ein Blick auf die Kompensations-Anordnung.

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Die Ermittlung der Abstände über ZEMAX, wehalb man mit diesem Verfahren sehr große Spiegel auf Null testen kann.

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Die 3. Methode der Darstellung und Auswertung ist die Vermessung in RoC, bei der die Form der Parabel-Retouche nicht
mehr direkt erkannt werden kann.

normanSchn07.jpg

Deswegen die Umrechnung auf Null, ein Verfahren wie es ein ZYgo ebenfalls benutzt. Hier fällt die abfallende Kante sehr
deutlich auf.

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normanSchn09.jpg

Am meisten ins Auge springt die rauhe Oberfläche und die ausgeprägte Zone, die dem Spiegel die hohe Qualität nimmt.
Weder Händler noch Hersteller sind offenbar bereit, sich die Sache einmal gründlicher zu überlegen. Solange es keiner
merkt . . . . . sind es natürlich Premium Spiegel, und andere Hersteller nicht besser!

normanSchn10.jpg