B062 TAL FH 100-1000 Bernhard Schmidt

Von Bernhard Schmidt gelernt, Quelle01, Quelle02, Quelle03, Quelle04, Quelle05

Einige der ganz alten Sternfreunde ( Prof. Dr. J. Larink von der Hamburger Sternwarte der mit Bernhard Schmidt jahrelang
zusammengearbeitet hat) haben ihn noch gekannt, und sie erzählen lustige Geschichten aus seiner Arbeit mit
der Herstellung von optischen Fernrohren. In diese Lage kam ich heute beim Versuch, einem Fraunhofer die Achskoma
"austreiben" zu müssen. Und da ich einige dieser alten Geschichten bereits vor vielen Jahren zugetragen bekam von
Leuten aus Bergedorf, wo Bernhard Schmidt wirkte, benutzte ich die gleiche Methode, die Achs-Coma eines Fraunhofers
zum größten Teil loszuwerden.

Ein TAL 100/1000 sollte vermessen und optimiert werden. Da aber die Achskoma doch erheblich bereits im Interferogramm
auftauchte, stand ich vor der Wahl, das Objektiv auseinandernehmen zu sollen, oder es in der Weise wie Bernhard Schmidt
zu probieren, der für solche Fälle eine bestimmte Technik entwickelt hatte. (Hinweis im Verzeichnis) Gefühlsmäßig tastet
man sich in gleicher Weise voran und stellt dabei voller Freude fest, daß der Anteil der Achskoma zunehmend geringer wird,
also die LinsenVerkippung auf diese Art zu beseitigen ist.

Nun bekommt man relativ selten diesen Fernrohr-Typ frei Haus geliefert, der sich hinsichtlich Verarbeitung und Qualität
sehr deutlich von Optiken aus Fernost unterscheidet. Also alles saubere Arbeit, wie man das auch von Zeiss her kennt.

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Beim Sterntest erkennt man sehr schnell die vom Farblängsfehler hervorgerufenen Effekte, also die Schnittweiten-Differenz
bestimmter Spektral-Farben, die für die rot-violetten Farbsäume verantwortlich sind bei hellen Objekten. Diesen Farblängs-
fehler kann man sehr sicher mit einem Weißlicht-BathInterferometer und engen InterferenzFiltern ermitteln. Im Falle des
TAL FH ergeben sich folgende Werte:

e-Linie ...+ 0.000 mm kürzeste Schnittweite
d-Linie ...+ 0.125 mm RC-Wert: 1.145
F-Linie ...+ 0.345 mm RC-Wert: 3.159
C-Linie ...+ 0.645 mm RC-Wert: 5.910
..............................RC-Wert gesamt 4.532

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Ebenfalls deutlich sieht man die Farbverteilung im Foucault-Test qualitativ, die man überschlägig so entsteht, daß
bei einer mittleren Schneiden-Position der gelb-grüne Farbanteil noch intrafokal liegt, der rot-blau Anteil dagegen
bereits extrafokal. Dadurch kommt die farbliche Auffächerung zustande, und ist zugleich ein Indiz, ob es sich um
einen Achromat, ein HalbApochromat/ED-Optik oder schließlich um einen Voll-Apochromaten handelt. Mit der exakten
Schnittweiten-Messungen läßt sich dies integrativ (0.707 Zone) ermitteln und man bekommt den bei Lichtenknecker
bereits benutzten RC-Wert für Rest-Chromasie, und damit eine eindeutige Unterscheidung, ob ein APO auch ein APO
ist. In diesem Falle ein gutes FH-Objektiv.

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Beim Ronchi-Gitter-Test würde man den Gaußfehler gut sehen, also der von der Wellenlänge abhängige Öffnungs-
Fehler. Für Fraunhofer wäre das auf Grün (550 nm wave) optimiert, im roten Spektrum unterkorrigiert, im blauen
Spektrum dann überkorrigiert. Genau sieht man diese Situation bei den vier Interferogrammen: Da Optimum liegt
in der Gegen der C-Linie. Da dieser Gaußfehler aber nur gering ausgeprägt ist, müßte man den LinsenAbstand um
wenige Micron vergrößern. In diesem Falle viel zu riskant, ein einigermaßen funktionierendes Objektiv zu zerlegen.

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Wer nun nicht gerade ein Strehl-Fetischist ist und nur mit einem 0.99 Strehl Objektiv zufrieden sein kann, wird wissen,
daß man am Himmel derartige Feinheiten nicht mehr bemerkt, konnte ich unlängst erst wieder an einem C14 nachvoll-
ziehen. Somit ergibt sich für die d-Linie (587.6 nm wave) folgende Auswertung:

@TAL100-06.jpg

Zusammenfassend ein sehr gutes kleines TAL Fraunhofer-Objektiv, das auch im Spalttest einen sehr guten Eindruck
machte. Natürlich stört der Farblängsfehler bei einer Vergrößerung von 800-fach, aber man erkennt ihn deutlich. Man kann
ihn auf einfache Weise beseitigen, wenn man den Blau-Anteil über einen Gelbfilter beseitigt, oder mit dem Colar Continuum
von Baader den SpektralBereich auf 550 nm eingrenzt. Das Filter-Sortiment von Baader ist dabei sehr hilfreich.

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http://www.astro-foren.de/showthread.php?t=6084