B021 Celestron ED 80-600 mit Zenit-Prisma

Celestron ED 80/600 mit Zenit-Prisma fast ein APO

Offensichtlich nicht ohne Grund wird dieses kleine Linsen-Teleskop mit Zenit-Prisma abgebildet. Nach Beseiti-
gung eines lästigen Koma- und Astigmatismus-Fehlers zeigte der Zweilinser jedoch mit 47 mm Glasweg die
eindeutig besseren Ergebnisse in jeder Art Auswertung. Ohne Prisma sollte man sich also nicht über zuviel
Farbe beschweren. Das Prisma macht aus dem Zweilinser fast einen APO.

Als ich nach einer deutlich festzustellenden Koma das Teleskop in seine Einzelteile zerlegte, war mir bald klar, wo der
Fehler für die schlechte Abbildung liegen müsse. Auch der Objektiv-Ring war regelrecht "zugeknallt" und erklärte einen
Teil des im Sterntest sichtbaren Fehlers.

Im Hintergrund läuft derzeit auch die Diskussion darüber, wie die spherochromatische Aberration, sprich der
Gaußfehler zu würdigen sei, der in manchen Fällen ab der 70.71% Zone bei manchen Systemen einen nicht
genau bestimmbaren Einfluß hat. Jedenfalls haben die Vertreter der Wellenoptik zur Lösung dieses Meßtech-
nischen Problems noch gar nichts beizusteuern gewußt. Tatsache ist, daß das Airy-Scheibchen ein wellopti-
scher Effekt ist und ein Faktor bei der Berechnung der Schärfen-Tiefe. Das Öffnungsverhältnis wird bereits bei
der Ermittlung des Airy-Scheibchen-Durchmessers in exakt der gleichen Weise verwendet wie in meiner
Rechnung. Die Schnittweiten-Vermessung der F-, e-, d-, und C-Linie mit dem Bath-Interferometer in der
70,71% Zone dürfte auch das genauest reproduzierbare Verfahren sein um abschließend aus den Ergebnissen
die Index-Zahl für die Rest-Chromasie zu berechnen. Das für eine quantitative Berechnung unschärfere Ver-
fahren von Thomas Back (Grün mindestens 0.95 Strehl, Blau und Rot höchstens L/4 PV der Wellenfrontabwei-
chung und Violett höchstens L/2 PV Abweichung) führt im Falle dieses kleinen Zweilinser ED-Systems zu
ähnlichen, aber quantitativ weniger gut darstellbaren Ergebnissen.

Im Falle dieses Celestron ED ist ohne das Zenit-Prisma oder der ca. 50 mm Glasweg das Gaußfehler auffallend
klein, bei der Prismen-Version die Farbreinheit besser, dafür aber auch der Gaußfehler etwas deutlicher er-
kennbar. Eine Hilfe bietet noch der "farbige" Foucault-Test, der zumindest qualitativ in exakt einer Fokuslage
die Farbsituation als Gesamt-Ergebnis darstellt, also inclusive den Gaußfehler durch alle Zone mit. Eine
Kombination aus beiden Verfahren erscheint mir derzeit die einzige Lösung zu einem ganz exakten Vergleich.
Je nach Lage der Spektral-Farben ergibt sich trotz gleicher Index-Zahl noch ein anderer Farbeindruck. Wenn
also Blau nur geringfügig von den sonst nahe zusammenfallenden anderen Farben liegt, dann wird es eher
wahrgenommen, als würde das Rot betreffen.

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Der vom Prisma eingeführte BK7 Glasweg von ungefähr 50 mm führt zu einer deutlichen Veränderung des intrafokalen
Farbsaumes von mehr purpur ohne Prisma hin zu blau-violett mit Prisma. Nach Lage der Farben liegt Rot ohne Prisma mit
+204µ sehr weit hinter den anderen Farben und taucht intrafokal entsprechend deutlich auf.
Weil aber mit Prisma Blau +61µ und Rot +109µ sehr viel näher beieinander liegen, verschiebt sich der Farbsaum in Rich-
tung violett, als Mischung aus diesen beiden Farben.

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drei zusammengekittete BK7 Planplatten simulieren die Verwendung eines Zenit-Prismas und verändern damit die Farb-
Situation.

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Beim Foucault-Test nähert sich bei Verwendung des Prismas der Farb-Gesamteindruck stärker in die gelblich-weißliche
Richtung, es tendiert stärker zur "Farbreinheit".

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Zerlegt in die Spektralfarben bei unveränderter Schnittweiteneinstellung, erkennt man die Summe von Spektral-Farben
plus Gaußfehler als leicht unterkorrigiert, bei dem das kürzere Spektrum den größten Anteil daran hat. Ruft man sich
dieses Prinzip nochmals ins Gedächtnis dann wäre die Messerschneide im Falle für Blau ab der 80% Zone bereits extrafokal
(meine Schneide nähert sich immer von links nach rechts an) dort fehlt also das Blau und die Restfarben mischen sich
entsprechend. Vermutlich läßt sich das noch differenzierter beschreiben.

CelED80JK-03a.jpg

Die folgende Übersicht zeigt beide Auswert-Verfahren:
Über die Schnittweiten-Differenz aus der 70.71% Zone entstand die Index-Zahl als Funktion der Schärfentiefe.
Bei der Fixierung der Schnittweite auf die Hauptfarbe Grün, weichen bei Blau die Streifen nach oben ab, was anzeigt,
daß Blau eine kürzere Schnittweite hat. Während Gelb und Rot jeweils längere Schnittweiten haben. Den Interfero-
grammen ist eine leichte Coma überlagert, was in der Auswertung abgezogen werden muß, ebenso der Restastigmatismus
will man zur Backschen APO-Definition kommen, die hier ermittelt wurde: Rot würde nach dieser Definition ganz
deutlich die APO-Bedingung N I C H T erfüllen. Ohne Glasweg wäre es bei beiden Auswertungen kein APO, aber
ganz bestimmt ein Halb-APO nach meiner Index-Zahl, während die Backsche Definition keine verwertbare Antwort gibt.

Mit Prisma fällt Rot erneut aus der Backschen Definition heraus, aber auch Blau erfüllt diese Bedingung nur knapp.
Also immer noch kein APO (Coma und Astigmatismus sind weiterhin deaktiviert, Power hingegen aber zugelassen.
Die Index-Zahl nach der anderen Methode nähert sich aber dem APO an, was grundsätzlich auch nach der Backschen
Definition erkennbar ist. Mag also die Schnittweiten-Messung für die Wellenoptiker noch gewöhnungsbedürftig sein,
so liefert sie doch exaktere Vergleichsmöglichkeiten ab, als die PV / Strehl-Variante, bei der Coma und Astigmatismus
abgezogen, die Power aber zugelassen werden muß.

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