B045_01 APM Fernglas 100mm ED-Apo DoppelBilder-Zentrierung

second report: B045_02 How to collimate a APM 100 Bino

Alles verstanden ? Doppelbild-Zentrierung beim APM 100-45 Großbino

Hier werden zwei Großfeld-Binos gegenübergestellt: Der KOWA Highlander Prominar und der APM 100. Der KOWA Prominar ist ein Komplet-System, mit
den dazu passenden Okularen 32-fach und 50-fach, der APM 100 liefert zwar ein 20 mm Okular mit, ansonsten ist die Wahl der Okulare frei und das ist
zugleich ein Vorteil und ein Nachteil. Dadurch reduziert sich der Anschaffungs-Preis beim APM 100, während beim KOWA bereits zwei hochwertige
Okulare das System optimal ergänzen. Beim KOWA die Höchstvergrößerung zu steigern, ist etwas schwierig, ist aber prinzipiell möglich, beim APM 100
hingegen weniger schwierig. Die sinnvolle Vergrößerungs-Grenze bei beiden Großbinos dürfte im Bereich von ca. 100-fach liegen.

Neben dem KOWA Highlander Prominar 82/450 das bei 50-facher Vergrößerung brilliante Bilder abliefert, gibt es bei APM ebenfalls ein Großfeld-Bino,
preislich 
etwas günstiger mit dem Vorteil (oder auch Nachteil), daß es keine Begrenzung hinsichtlich der Vergrößerung von 50-fach gibt, weil man bei
550 mm Fokus und 
einem 5 mm HR Planeten-Okular von TS bereits eine noch brauchbare Vergrößerung von 110-fach bekommt. Die Objektive beider
Binos lassen das durchaus 
noch zu. Verständlich zwar von KOWA, daß man die Vergrößerung begrenzt, da bei einer höheren Vergrößerung eine Reihe
weiterer Probleme auftauchen, die 
auch beim APM 100-45 bei hohen Vergrößerungen zu Doppelbildern führt - und die stören zunächst erst einmal heftig.

Nach Auskunft vom Händler gäbe es zwei Möglichkeiten, die zu korrigieren: Die vom Händler favorisierte Lösung b)  über die hinteren Umkehr-Prismen,
oder die 
vom Hersteller im Objektiv-Bereich vorgesehene a) Exzenter-Mechanik, über die wohl der chinesische Hersteller aufklären möchte. Nun verstehen
wir ja alle 
chinesisch - sonst würden wir ja deren Produkte nicht kaufen.

Bevor ich also "ans Werk" ging, mußte ich mich entscheiden, für welche Bildversatz-Zentrier-Möglichkeit ich mich entscheide: Mechanisch viel eindeutiger
ist  nämlich die Objektiv-Exzenter-Lösung, weil das Ergebnis viel besser kontrollierbar ist über die Drehung der Exzenter-Einheit.

APM_GB-01.jpg

Ein optischer Vergleich bei diesen Systemen ist etwas schwieriger, weil damit für gewöhnlich ein opt. Vergleich der Objektive auf der opt. Achse verbunden ist.
Hier handelt es sich aber um Gesamtsysteme incl. Okular. Man wird den KOWA dann kaufen, wenn man von der brillianten Abbildung bei 50-fach überzeugt ist,
den APM 100 wird man dann kaufen, weil er über die beliebig wählbare Wechsel-Okulare höhere Vergrößerung erlaubt, die immer die Bildschärfe beeinflussen
und man sich damit auch das Problem der Doppelbilder einhandelt, wie in meinem Fall. (Aber es macht schon einen Unterschied, Mond und Saturn mit 50-fach
oder mit 110-facher Vergrößerung zu betrachten. Unabhängig davon wäre beim 100 mm Durchmesser die Auflösung 1.384 arcsec / 550 nm wave.

Damit taucht sofort die Frage nach der Testanordnung auf: Den Doppelbild-Versatz entweder am Stern, an einer weit entfernten Lampe, oder einfach gegen ein
C11 + Künstlichen Stern im OAZ ? Am Bequemsten ist die C11-Lösung, wenn man dazu passend den künstlichen Stern hat. Der Objektiv-Abstand des APM 100
paßt genau in die "Öffnung" des C11 "hinein".

APM_GB-02.jpg
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Bevor man mit dem "Schraub-Schüssel" hantiert, wäre eine genau protokollierte Analyse gefragt. Nimmt man das Bild des linken Refraktor I als Bezugs-Punkt,
dann wäre Bild im rechten Refraktor II in Richtung 13:00 Uhr versetzt. Man könnte vermuten, daß in Refraktor II der Objektiv-Exzenter im Uhrzeigersinn  (von
vorne gesehen) gedreht werden müßte. Doch zuerst sollte man die Mechanik der vorderen Objektive studieren, zumal die obere chinesische Hilfe für uns etwas
fremdländisch daherkommt.

APM_GB-03.jpg
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Ganz vorne - wenn man auf das Objektiv schaut - gibt es einen ziemlich fest-sitzenden Halte-Ring, der eine einmal erfolgte Doppelbild-Zentrierung für alle
Zeiten fixen soll, wenn denn diese Zentrierung wirklich erfolgreich war. In meinem Fall leider nicht. Anders als bei vielen Objektiven sitzt dieser Haltering fest.
Also braucht es eine zuverlässige, aber trotzdem zartfühlende Halterung, damit man diesen 1. Haltering aufschrauben kann, ohne der Optik selbst in irgend-
einer Weise Schaden zuzufügen. Der dazu notwendige verstellbare "Schlüssel" hat dieses Problem in den meisten Fällen gut gelöst, auch diesmal, wie man
sieht.

APM_GB-04.jpg
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Das also sind die beiden ObjektivExzenter-HalteRinge mit "Beilagscheibe", damit sich der Exzenter beim Fest-Schrauben nicht mitdreht. Der Exzenter selbst
ist auch etwas schwergängig, sodaß man durch leichte Links/Rechts-Drehung ein Gefühl dafür bekommen muß, wie schwer er sich dreht.

APM_GB-05.jpg
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Es gibt kleine Schnitz-Handwerker-Sets, die solche flachen gehärteten Einsatzteile haben mit einer Dicke, die gut in die bei Objektiv-Ringen vorhandenen Nuten bzw.
Schlitze passen. Zwischen zwei ALU-Leisten gespannt, deckt dieser "Schlüssel" gut die unterschiedlichsten Durchmesser der Objektivringe und deren Nut-Abständen
ab.

APM_GB-06.jpg
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Das eigentliche Objektiv ist wegen nachfolgender Doppelbild-Zentrierung in einen Exzenter-Ring eingebaut mit einer Dicken-Differenz von höchstens 3 mm. Und
damit "eiern" die beiden Objektive um die opt. Achse herum bzw. haben zwei Schnitt-Punkte, wo sich der Bildversatz aufhebt. Die gilt es zu finden. Mehr wie 1/2
Drehung dieser Exzenter ist also nicht nötig. In meinem Fall genügte beim Refraktor II eine Exzenter-Rechtsdrehung von ca. 36°, und bei meinen 10 mm Radian
Okuaren war das Doppelbild weg.  Mit den HR 5 mm Planeten-Okularen muß ich den Vorgang wiederholen. Ob es mit 3.6 mm Okularen optisch auch noch geht,
muß ich ausprobieren.  Ähnliche Versuche habe ich ebenfalls mit dem KOMA hinter mir.

APM_GB-07.jpg
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Gesamt-Würdigung

Beim KOWA Prominar hat man mit 82/450 eine Öffnungszahl von 5.48 und mit dem 9 mm Okular eine Vergrößerung von 50-fach.
Beim APM 100 hat man mit 100/550 eine Öffnungszahl von 5.50 und mit dem Radian 10 mm Okular eine Vergrößerung von 55-fach.
Also lassen sich beide hinsichtlich der Abbildung einigermaßen gut vergleichen:

Ein Kran in ca. 3 km Entfernung, der sich über den Horizont in den weißlichen Himmel erhebt, bietet "harte" Kanten, an denen man
die Farbsituation etwas darstellen kann. Beim KOWA Prominar erscheint der ockerfarbene Kran insgesamt etwas dunkler, während
beim APM 100 ein leichter Gelbschleier über dem Bild liegt. Verwendet man hingegen am APM 100 die KOWA Okulare bei 61-fach,
dann erscheint das Bild eine Nuance kontrastreicher. Das könnte also ein Effekt der Radian Okulare sein, denen man einen Gelb-
Stich nachsagt. Ein signifikanter Unterschied hinsichtlich Abbildungs-Schärfe ist nicht erkennbar. Koma und andere Bildfehler habe
ich am Stern bisher nicht festgestellt.

Die Abbildung an Saturn und anderen Himmels-Objekten steht noch aus. Nach der Doppelbilder-Zentrierung ist jetzt auch eine
Vergrößerung von 110-fach möglich, aber auch das wird erst an Saturn und Mond interessant.

Die Preisdifferenz zwischen beiden Binos dürfte dann geringer sein, wenn man bei beiden den Komplett-Preis incl. Okulare berücksichtigt.

 

Nachtrag:

Eindeutiger Vorteil des APM 100 sind die Wechsel_Okulare: Bei einer Brennweite von 550 mm bieten die

- 10 mm Radian-Okulare bei 55-facher Vergrößerung ein fast perfektes Bild, minimal gestört durch den "Gelb-Stich" des Okular.
- 8 mm Ethos Okulare bei knapp 70-facher Vergrößerung ein "Riesen"-Bildfeld und ebenfalls eine sehr gute Abbildung.
- 5 mm HR Planeten-Okular von TS bietet 110-fache Vergrößerung, noch hell genug, die Kantenschärfe entspricht der Vergrößerung.
- 2.5 mm HR Planeten-Okular von TS beio 220-facher Vergrößerung: Bild ist merklich dunkler, die Kantenschärfe wird nicht besser zu vorher.

Damit kann man also "spielen" - bis man sich bei der Lieblings-Vergrößerung einpendelt. Man kann also jetzt zwischen KOWA und APM 100
wählen. Preislich läuft es im Gesamt-Umfang auf einen ähnlichen Betrag hinaus.